Krieg der Worte
Will ein Theater heute Stücke zum Thema Krieg auf den Spielplan setzen, bieten sich zwei Dramen ganz besonders an. Einerseits die antike Tragödie «Die Troerinnen», in der Euripides nicht die siegreichen Helden des Trojanischen Kriegs, sondern die Frauen der Besiegten sprechen lässt. Andererseits, aus der jüngeren Vergangenheit, «Reich des Todes», in dem Rainald Goetz den «War on terror» analysiert, den die USA nach dem 11. September 2001 ausgerufen haben.
Dass beide Stücke nur wenige Wochen nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine auf die Bühnen des Burgtheaters kamen, war aber kein ungewöhnlich reaktionsschneller Kom -mentar auf die aktuellen Ereignisse, sondern Zufall. Beide Premieren waren längst geplant, »Reich des Todes» hätte überhaupt schon ein Jahr früher kommen sollen, musste aber mehrfach verschoben werden.
Robert Borgmanns Goetz-Inszenierung im Akademietheater beginnt mit einem Rave: Zu wummernden Rhythmen (Musik: Alva Noto) stehen rund 20 Darsteller:innen (Ensemble und Statisterie) in Unterwäsche auf der Bühne und lassen ihre Köper zucken; danach legen sie sich atemlos auf den Boden, Bühnenarbeiter schaufeln Erde auf sie, und die Szene verwandelt sich in ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
Es gibt viele Dinge, die sich drehen: Ein Hamsterrad, die Zeiger einer Uhr – und das Bühnenbild von «Birthday Candles», das dreht sich auch. Szenograf Jo Schramm hat dazu einen Guckkasten samt Küche entworfen, die im Verlauf des Abends ziemlich oft Kopf steht. Und diese gekippte Küche ist es auch, die als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen...
Im Herbst 2005 hielt sein Orgien-Mysterien-Theater Einzug in Öster -reichs höchster Weihestätte für dramatische Kunst: im Burgtheater. Viele Stunden lang wurde – auf penibel abgedeckten Bühnen, Wegen und Sitzen – unter Aufsicht des Meisters prozessiert, Geschlachtetes aufgebahrt und an Kreuzen aufgerichtet, in Bottichen vol -ler Gedärme gewühlt und mit Blut...
Beim Heidelberger Stückemarkt kann es passieren, dass ein Autor zum ersten Mal sein Werk gesprochen hört. Philipp Gärtner ist es so ergangen, und als er nach der 40-minütigen Lesung aus seinem Drama «Olm» zum Nachgespräch auf die Bühne kam, sagte er: «Ich glaube, ich bin da hart an der Grenze der Verständlichkeit, vielleicht sollte ich noch mal ausmisten …?»...
