Krepierendes Splatterpuzzle
Nehmen wir mal Jennifer Lopez: Die macht so semi-okaye Musik und total schlechte Filme. Oder Madonna: genialgöttliche Musik und pervers schlechte Filme. Aber weil Jennifer Lopez und Madonna im Popgeschäft zu Hause sind und dieses von respektlosen und überhaupt nicht masochistisch veranlagten jungen Menschen bestimmt wird, geht sich auch fast niemand ihre Filme anschauen. Die Musik wird trotzdem gekauft.
In der Literaturszene herrschen ganz ähnliche Gesetze.
Selbstverständlich darf Peter Stamm, der von Reich-Ranicki äußerst erfolgreich als deutschsprachige Prosaisten-Nachwuchs-Hoffung und Gegenentwurf zu Stuckrad-Barre lanciert wurde, so viele Stücke schreiben, wie Jennifer Lopez und Madonna Filme machen, Multioptionalität ist heute schließlich ein Menschenrecht. Sie kann dennoch ein Irrtum sein, und für Peter Stamms Stück «Die Töchter von Taubenhain», uraufgeführt am Luzerner Theater unter der Regie von Christina Rast, gilt dies auf jeden Fall.
Die Anlage wäre vielversprechend, ein Splatterpuzzle aus trendigen Film-Mythen: Vater erschießt Mutter, schneidet Baby Sophie aus ihrem Bauch (wie der böse Mann in «Kill Bill» das Baby aus Uma Thurmans Bauch schneidet), zieht dann seine ...
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Mit dem Gerät zerkleinert der Jäger und Sammler zumeist Hühnchen. Der Kiefer ist schwach, das Handwerkzeug aber willig. Nun ist es allerdings nicht so, dass der Held in Fausto Paradivinos Erstling aus dem Jahr 1997 Kannibalisches im Sinn hat, wenn er gleich zu Beginn sagt, er werde die Leiche wohl mit einer Geflügelschere zerkleinern, dann eine Hälfte einfrieren...
Zu anderen (Theater-) Zeiten wäre er, blond und blass, hellstimmig und von kräftiger Statur, jünglingshaft noch als Fünfziger, der ideale «jugendliche Held» gewesen, Moraltrompeter und Mädchenschwarm. Mustert man die knapp fünf Jahrzehnte seines Schauspielerlebens durch – der 1932 in Hamburg geborene Beamtensohn sprang 1956 aus dem Literaturstudium und vom...
Mäntel, Degen, Abenteuer, Matrosenliebe, Lügen und Intrigen: Eine der bekanntesten Geschichten dieser Art ist «Der Graf von Monte Christo». Geschrieben hat sie Alexandre Dumas in den Jahren 1845/6. Als Fortsetzungsroman für das Feuilleton des «Journal des débats». Dort sollten die Leserzahlen steigen, die Abonnements verlängert werden. Es klappte: Die Leser liebten...
