Krepierendes Splatterpuzzle
Nehmen wir mal Jennifer Lopez: Die macht so semi-okaye Musik und total schlechte Filme. Oder Madonna: genialgöttliche Musik und pervers schlechte Filme. Aber weil Jennifer Lopez und Madonna im Popgeschäft zu Hause sind und dieses von respektlosen und überhaupt nicht masochistisch veranlagten jungen Menschen bestimmt wird, geht sich auch fast niemand ihre Filme anschauen. Die Musik wird trotzdem gekauft.
In der Literaturszene herrschen ganz ähnliche Gesetze.
Selbstverständlich darf Peter Stamm, der von Reich-Ranicki äußerst erfolgreich als deutschsprachige Prosaisten-Nachwuchs-Hoffung und Gegenentwurf zu Stuckrad-Barre lanciert wurde, so viele Stücke schreiben, wie Jennifer Lopez und Madonna Filme machen, Multioptionalität ist heute schließlich ein Menschenrecht. Sie kann dennoch ein Irrtum sein, und für Peter Stamms Stück «Die Töchter von Taubenhain», uraufgeführt am Luzerner Theater unter der Regie von Christina Rast, gilt dies auf jeden Fall.
Die Anlage wäre vielversprechend, ein Splatterpuzzle aus trendigen Film-Mythen: Vater erschießt Mutter, schneidet Baby Sophie aus ihrem Bauch (wie der böse Mann in «Kill Bill» das Baby aus Uma Thurmans Bauch schneidet), zieht dann seine ...
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Wird Basel Provinz?», fragte das städtische Theater jüngst in einer Podiumsrunde. Und wer die Basler kennt, ihren Stolz auf die ortsansässigen Global Players aus der Pharma- und Kulturindustrie, ihren inneren Drang nach Weltoffenheit, der eine Mischung ist aus Sehnsucht und Selbstdarstellung – der kann sich vorstellen, dass sie keine Antwort auf diese Frage mehr...
Liebe? Doch wohl eher ein Großmeisterturnier in Wortverdreherei. Wer «Was ihr wollt» in Thomas Braschs Shakespeare-Übersetzung 20 Jahre später wiederliest, findet ein Blitzschach von Sprachzügen, in dem sich qualmende Hirne mit halsbrecherischen Eröffnungen gegenseitig aufs Kreuz legen, einander mitleidlose Matt-Schlachten und Stellungskriege liefern, bis die...
Stopp I
Die Dresdner «Weber»-Inszenierung von Volker Lösch hat umfassende juristische Aktivitäten ausgelöst. Ausgangspunkt sind in den Original-Text eingefügte Passagen Dresdner Arbeitsloser, die als Laienchor gegen Hartz IV, Politiker und Besserverdiener wettern, das «Schröderschwein» anprangern, Ministerpräsident Georg Milbradt eine «blöde Sau» nennen und den...
