Cowboys letzter Geburtstag
Dieser Brick kann einem schon Leid tun. Gestern erst hat sich der Sportreporter den Knöchel gebrochen, heute muss er zum Geburtstag des Vaters antreten, zu dem die ganze Familie samt Pfarrer und Doktor geladen ist. Da stürzt, kurz vor Torte, Sekt und Ständchen, Gattin Maggie ins Gästezimmer.
Weil sie sich auf einen Schokokeks gesetzt hat und das kleine Rosafarbene aussieht wie eine frisch benutzte Baby-Windel, lässt sie gleich eine ganze Serie von Vorwürfen auf ihren Mann herab prasseln: Zu wenig Sex! Zu wenig Liebe! Wahrscheinlich demnächst auch noch zu wenig Geld! Und vor allem: keine Kinder! Sechzig Minuten weibliches Sperrfeuer später schenkt Brick sich den fünften Whisky ein.
Warum der Mann trinkt, ist nach dem ersten Akt jedenfalls sonnenklar. Schon bei Tennessee Williams hat Maggie, die Katze auf dem heißen Blechdach, schwer mit den eigenen Neurosen zu kämpfen – aber eben auch mit einer tragischen Konstellation und einem Brick, der womöglich ein lebenslang kreuzunglücklicher, weil unausgelebter Homosexueller ist. In Andrea Breths Wiener Inszenierung des von Richard Brooks berühmt verfilmten Ehe- und Familiendramas tilgt jedoch die drahtige Johanna Wokalek alle komplexeren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Obwohl bereits 1990 von Jacques Lassalle in Paris uraufgeführt, legen die aktuellen Schlagzeilen – Hartz IV!, Reality-TV! – natürlich nahe, «Livesendung» jetzt als deutschsprachige Erstaufführung herauszubringen. Es geht schließlich um Langzeitarbeitslosigkeit und Medieneinfluss. Aber der französische Autor Michel Vinaver hat weder ein Thesenstück noch ein...
Eine Schlagzeile in der Münchner Abendzeitung vom 7. Dezember 2004: «Straßen-Terror von maskierten Jugendlichen. 3 Frauen überfallen – eine verliert ihr Baby». Schauplatz ist, man hat es fast schon geahnt, das Hasenbergl, berüchtigter sozialer Brennpunkt im Münchner Norden. Am nächsten Tag sind die Täter gefasst: sieben Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren,...
Warum geht zur Zeit alles den Bach runter? Statt sich lange am Kopf zu kratzen, sollten die Analysten vielleicht einfach mal Jonathan zuhören. «Da wo ich lebe, ist die Auswahl so groß, dass das Wollen nur noch eine Fiktion ist, an der man sich entlang hangelt», jammert er in Meike Haucks Stück «Mad in America». Und dass das Land mittlerweile so liberal ist, «dass...
