Cowboys letzter Geburtstag

Andrea Breth inszeniert an der Burg «Die Katze auf dem heißen Blechdach»

Theater heute - Logo

Dieser Brick kann einem schon Leid tun. Gestern erst hat sich der Sportreporter den Knöchel gebrochen, heute muss er zum Geburtstag des Vaters antreten, zu dem die ganze Familie samt Pfarrer und Doktor geladen ist. Da stürzt, kurz vor Torte, Sekt und Ständchen, Gattin Maggie ins Gästezimmer.

Weil sie sich auf einen Schokokeks gesetzt hat und das kleine Rosafarbene aussieht wie eine frisch benutzte Baby-Windel, lässt sie gleich eine ganze Serie von Vorwürfen auf ihren Mann herab prasseln: Zu wenig Sex! Zu wenig Liebe! Wahrscheinlich demnächst auch noch zu wenig Geld! Und vor allem: keine Kinder! Sechzig Minuten weibliches Sperrfeuer später schenkt Brick sich den fünften Whisky ein. 

Warum der Mann trinkt, ist nach dem ersten Akt jedenfalls sonnenklar. Schon bei Tennessee Williams hat Maggie, die Katze auf dem heißen Blechdach, schwer mit den eigenen Neurosen zu kämpfen – aber eben auch mit einer tragischen Konstellation und einem Brick, der womöglich ein lebenslang kreuzunglücklicher, weil unausgelebter Homosexueller ist. In Andrea Breths Wiener Inszenierung des von Richard Brooks berühmt verfilmten Ehe- und Familiendramas tilgt jedoch die drahtige Johanna Wokalek alle komplexeren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mutter aller Zimmerschlachten

Who’s afraid of Virginia Woolf?», Edward Albees mit Abstand erfolgreichstes Stück, erlebte seine Broadway-Uraufführung am 13. Oktober 1962: im Oktober jener 13 Tage, in denen die Welt so kurz vor einem Atomkrieg stand wie nie zuvor und nie mehr später. Die Russen hatten Nuklearwaffen auf Kuba stationiert, Kennedy sein Ultimatum gestellt. Es war der Höhepunkt des...

Schwertträger und Handyhalter

Es ist schon ein Kreuz mit der Kunst und dem Kapitalismus. Eine echte Liebesbeziehung im Stil feudalistischen Mäzenatentums will sich da partout nicht einstellen, zumindest nicht, wenn keine krisenfesten Sammlerwerte in Aussicht stehen. Stattdessen gefährdet die schnöde Profitgier die letzten Refugien von Poesie, wo geschriebene Worte und komponierte Töne noch frei...

Verstörungen im Mittelmaß

Manche Menschen haben eine merkwürdige Vorstellung von Samaritertum. Ein Frau, der sowohl Mann wie Liebhaber im World Trade Center verstorben sind, fährt danach wahllos Menschen an, damit sie das Leben wieder schätzen lernen. Dagegen fällt der streunende Dichter, der streitende Paare und einsame Trinker mit Penetranz nötigt, sich von ihm ein Trostpoem verfassen zu...