Zehn Jahre danach
Die multikulturelle Gesellschaft sei gescheitert, tönt es seit der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh durch einen islamistischen Extremisten mit triumphalem Unterton aus konservativen Politikerreden und Zeitungskommentaren. Gemeint ist mit «Multikulti», wie man das Phänomen in genüsslich spöttischer Abkürzung gerne zu nennen pflegt, eine naive Fremdenfreundlichkeit, die der deutschen Gesellschaft aufgezwungen worden sei und die jetzt zu einem bösen Erwachen geführt habe.
Doch diese wohlfeile Polemik trifft die Wahrheit allenfalls zur Hälfte.
Denn nicht nur viele Linke und Liberale, die fürchteten, sich dem Vorwurf rassistischer Voreingenommenheit auszusetzen, haben jahrzehntelang die Augen vor dem realen Konfliktpotenzial einer globalisierten Einwanderungsgesellschaft verschlossen. Auf konservativer Seite ging die Verdrängung so weit, dass man noch bis vor kurzem an dem Glaubenssatz festhielt, Deutschland sei «kein Einwanderungsland». Wie weit das von der Wahrheit entfernt ist, zeigt die EU-Zuwanderungsstatistik für das Jahr 2003. Dort stehen nicht etwa die Niederlande an der Spitze, sondern, mit großem Abstand zu den übrigen Mitgliedsländern, Spanien, ...
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