Die große Negation?
Die Musiktheoretiker Heinz Klaus Metzger und Rainer Riehn, damals Chefdramaturgen an der Frankfurter Oper, beauftragten John Cage in den 1980er Jahren mit einer «irreversiblen Negation» der Oper; einer Oper, mit anderen Worten, die jede weitere Oper fürderhin unmöglich machen solle.
Da weder Cage noch Riehn und Metzger über die Exekutive verfügten, um die gewünschte Unterlassung polizeilich durchzusetzen, um etwa Leute wie, sagen wir, Wolfgang Rihm daran zu hindern, mit dem Komponieren von Opern fortzufahren, konnten die «Europeras 1 & 2», die Cage seinen Auftrag–gebern 1987 lieferte, ihren Schlusspunkt nur auf künstlerischer Ebene setzen: Wer sie gesehen hat, so mögen es sich Metzger und Riehn vorgestellt haben, hätte ob des neuen Materialstands, der von ihr ablesbar war, erkennen müssen, dass sich künstlerisch-fortschrittslogisch jede weitere Oper verbiete. Wer dem zuwider handelte, wäre gerechtem Gespött preisgegeben.
Dergleichen ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Sieht man die Inszenierung, die Heiner Goebbels, neuer Intendant der Ruhrtriennale, auf seinem Festival mit gewaltigem Aufwand und trotzdem nicht ganz unlakonisch präsentiert, wundert man sich eher, wie perfekt ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen & Festivals, Seite 6
von Diedrich Diederichsen
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