Ein Fall von Gastfeindschaft
Die vergangene Spielzeit am neuen Karlsruher Schauspiel stand im Zeichen großer, schwerblütiger Stoffe der Dramenliteratur. Auf Christian Dietrich Grabbes Schauerdrama «Herzog Theodor von Gothland» und Kleists «Die Hermannsschlacht» folgten die beiden ersten Teile von Franz Grillparzers «Das goldene Vlies»: ein Themenabend, in dem es um das Gebot der Gastfreundschaft geht. Bei Grillparzer beginnt alles mit dem griechischen Herrschersohn Phryxus, der mit dem sagenumwobenen goldenen Vlies in Medeas Heimat Kolchis landet.
Er sucht Schutz, Medeas Vater Aietes lässt den Fremden aber ermorden.
Erst nach dieser von Grillparzer mit «Der Gastfreund» überschriebenen Vorgeschichte kommen «Die Argonauten» und Jason ins Spiel, jener windschnittige Grieche, der den kleinasiatischen Barbaren die Kultur des Raubrittertums beschert. Jason will das goldene Vlies zurückerobern und bedient sich der verliebten Medea, die ihm auch prompt das Kleinod liefert. Im dritten Teil folgt dann das bekannteste Kapitel der antiken Sage: Medeas Schicksal bei den Griechen mit dem abschließenden Kindsmord. In Karlsruhe nun ignoriert man diese Episode und geht auch ansonsten alles andere als zimperlich mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Karlsruhe Staatstheater, Seite 52
von Jürgen Berger
Franz Wille Es kommt nicht so oft vor, dass sich gleich drei erfahrene Festivalmacher ein neues Format ausdenken wie jetzt «Foreign Affairs» bei den Berliner Festspielen. Es ist eine der ambitioniertesten Festivalgründungen derzeit, in diesem Jahr kuratiert von Frie Leysen, ab dem nächsten übernimmt dann Matthias von Hartz. Deshalb wollen wir ein bisschen...
Maria Becker, links als Elisabeth in «Maria Stuart» 1986, war eine «Königin im Formenreich», so der Kritiker Gerhard Stadelmaier: «Die Formen, die sie unnachahmlich herstellte, wurden ihr eigentlich mehr zu Partnern als die jeweiligen Kollegen, mit denen sie auftrat.
Es ging ihr, der herb Schönen, der mokant Unnahbaren, szenisch nichts wirklich nahe.» Man hat sie...
Man muss sich Ödipus als einen geduldigen Mann vorstellen. In seinem langen Leben musste er schon manche Überraschung verkraften, und auch danach war ihm wenig Ruhe vergönnt. Sigmund Freud hat auf seinen mythologischen Schultern eine Schule errichtet, mit der er die Pathologien der Moderne erklären wollte, und für die Hinterfragungslust der Ideologiekritik gilt der...
