Konsumgut Nebenmensch
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein «Atelier». Ab und an huscht «der Ewald» durch den Flur in die Küche, raucht, schaut an die Decke, macht sich einen Kaffee – pausiert.
Dann sitzt er mittendrin, im kommunikativen Zentrum des Theateralltags, das einmal mehr auch hier eine Küche ist: zwischen anderen Pausenlustigen, Mittagssalatschnipslern und dem Blut anrührenden Requisiteur.
Als wir vor gut einem Jahr mit den Proben zu Palmetshofers «hamlet ist tot. keine schwerkraft» begannen, waren Ensemble und Hausautor einander noch weitestgehend Unbekannte. Von Vorsprechen oder Fotos kannte Palmetshofer die «SchauspielerInnen» – wie er es in seiner «geschlechtssensiblen Sprache» auszudrücken pflegt. Und das gemeinsame Theatermachen, also «die Kunst, Texte mit Körpern zu vernähen» (Palmetshofer), war beim ersten Kennenlernen tastendes Anproben. Heute, nach zwei ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Andreas Beck
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Große Fragen liegen auf dem Tisch, Kaffeetassen stehen bereit:
Thomas Ostermeier, Jahrgang 1968, war nach dem Regiestudium an der Berliner Ernst-Busch-Schule künstlerischer Leiter der Baracke des Deutschen Theaters und leitet seit 2000 die Berliner Schaubühne
Frank-Patrick Steckel, geb. 1943, kam als Student der Kunstgeschichte zum Studententheater. Seit 1970...
