Konsumgut Nebenmensch
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein «Atelier». Ab und an huscht «der Ewald» durch den Flur in die Küche, raucht, schaut an die Decke, macht sich einen Kaffee – pausiert.
Dann sitzt er mittendrin, im kommunikativen Zentrum des Theateralltags, das einmal mehr auch hier eine Küche ist: zwischen anderen Pausenlustigen, Mittagssalatschnipslern und dem Blut anrührenden Requisiteur.
Als wir vor gut einem Jahr mit den Proben zu Palmetshofers «hamlet ist tot. keine schwerkraft» begannen, waren Ensemble und Hausautor einander noch weitestgehend Unbekannte. Von Vorsprechen oder Fotos kannte Palmetshofer die «SchauspielerInnen» – wie er es in seiner «geschlechtssensiblen Sprache» auszudrücken pflegt. Und das gemeinsame Theatermachen, also «die Kunst, Texte mit Körpern zu vernähen» (Palmetshofer), war beim ersten Kennenlernen tastendes Anproben. Heute, nach zwei ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Andreas Beck
Das Thema des Stückes ist nicht Asyl, obwohl ein Asylant darin vorkommt und die Autorin Anne Habermehl darüber viel recherchiert und gearbeitet hat. Das Thema des Stückes ist auch nicht – zumindest nicht in erster Linie – der Kampf der Kulturen, der Zusammenprall von Erster und Dritter Welt, obwohl genau das passiert und ein algerischer Wirtschaftsflüchtling auf...
Prolog
Wie sich im Laufe des letzten halben Jahres herausgestellt hat, gibt es keinen Sektor des Lebens, der Kultur, der Politik, keine Betätigung zwischen Fußball und Fallenstellen, die nicht ihr 68 gehabt hätten. Die hinter uns liegende Zeit besonders intensiver Debatte darüber, was das eigentliche 68 gewesen wäre, das Wesen von 68 nämlich, im Gegensatz zum...
Zu den Frankfurtern und Frankfurt, wo Anne Müller seit fast drei Jahren lebt und Theater spielt, hat sie eine Theorie: zu viele Menschen auf zu wenig Platz. Deshalb wird so in die Höhe gebaut, sind die Bürgersteige so schmal, die Straßen so eng. «Das macht die Menschen hier so, wie sie sind. Es geht gar nicht ohne Rempeln. Man darf das nicht persönlich nehmen,...
