Konflikt und Hybris
Eigentlich sollte man grundsätzlich jeden Abend ins Theater gehen – als Kritiker:in sowieso –, aber wenn dort um 20:30 Uhr der Blick ins Handy verspricht, dass der Finanzminister gerade gefeuert wurde und die Regierung am Ende ist, während aus der Ukraine nur schlechte Nachrichten kommen und der nächste amerikanische Präsident seit dem frühen Morgen Donald Trump heißt, ist es draußen vielleicht doch spannender.
Zumal der Plot der letzten Wochen durchaus einiges hergibt.
In Berlin hatte sich eine Koalition im Zermürbungsgang zerlegt, die eigentlich die drei Hauptprobleme der näheren und mittleren Zukunft lösen wollte: Klima, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit. Dass dies alles zusammen kluge Kompromisse erfordert und nicht als Rote-Linien-Drama aufführbar ist, scheint den Protagonisten im Dauergerangel entfallen zu sein. Konfliktlösung im gegenseitigen Blockademodus war eigentlich das Fachgebiet der griechischen Tragödie – man kann bei Aischylos/Sophokles/Euripides nachlesen, wohin das führt.
Hybris ist ein anderes antikes Projekt, das Helden ähnlich sieht. Dafür gibt es derzeit frisches Anschauungsmaterial. Die Mehrheit der Amerikaner:innen hat Donald Trump zum nächsten Präsidenten ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt, Franz Wille
Ob die Wahlergebnisse für die AfD in Thüringen, Sachsen und Brandenburg tatsächlich «die Rache des Ostens» sind, wie Frank Castorf meint? Die atavistische Psychologie mal beiseite – einiges und einige sprechen dafür, dass die Verhältnisse komplizierter sind. Zumindest wächst nicht mehr zusammen, was für Willy Brandt zusammengehörte. Steffen Mau hat in «Ungleich...
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Hallo», heißt es oft zu Beginn der Aufführungen des Regisseurs Christopher Rüping von der Bühne ins Publikum, und ein Gespräch wie auf Augenhöhe scheint im Hier und Jetzt anzuheben, welches das Publikum erst nach und nach als kunstvoll um es herum gewobenen, geschickt an es adressierten und seine Einbeziehung nicht nur suggerierenden, sondern sanft erzwingenden...
