Übers Menschsein

Ulrich Alexander Boschwitz «Der Reisende», nach Shakespeare «Hamlet/Ophelia» am Schauspiel Essen

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«Der Reisende» zu lesen, fühlt sich an, wie langsam in einen Abgrund gezogen zu werden – vorbei an fröhlich winkenden Menschen. Ulrich Alexander Boschwitz, 23 Jahre alt und selbst im Herbst 1938 schon im Exil irgendwo zwischen Luxemburg und Belgien, hat den Roman in nur wenigen Wochen geschrieben. Er ist eine Reaktion auf die Novemberpogrome.

Die erzwungene Reise von Boschwitz’ Hauptfigur Otto Silbermann, 2018 erstmals auf Deutsch veröffentlicht, bringt Regisseur Hakan Savas Mican zur Eröffnung der Spielzeit am Schauspiel Essen auf die Bühne.

Die Uraufführung versucht zweierlei: zu erzählen, wie Otto Silbermann durch ein Deutschland irrt, das ihn, den eben noch stolzen Unternehmer und Weltkriegsveteran, jetzt als Juden zum Feind erklärt hat. Und zu erzählen, wie Mican selbst – Kind von Gastarbeiter:innen, aufgewachsen bei den Großeltern in der Türkei und seit dem Studium in Deutschland – bei der Lektüre des Romans eigene Rassismuserfahrungen und Identitätsfragen reflektiert und in sein Tagebuch schreibt.

Mathias Znidarec führt als Erzähler durch den Abend und übernimmt in den Spielszenen die Rolle des Otto Silbermann. Als die SA in dessen Wohnung eindringt, flieht er zunächst nach ...

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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Cornelia Fiedler

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