Kompaktes Legitimationsmenü
Die große Frage wird nicht immer gern beantwortet. «Warum Theater?», möchten Milo Rau und sein NT Gent endlich genauer wissen – natürlich auf Englisch – und fragen 106 internationale Performer*innen, Schauspieler*innen, Tänzer*innen, Regisseur*innen und Choreograf*innen nach dem Sinn ihrer Arbeit. Anlass ist Covid-19 und die damit verbundenen Lockdowns allüberall, die im nimmermüden Betrieb endlich einmal Zeit zur Besinnung lassen – und auch Sorge um die Zeit danach.
Kelly Copper vom Nature Theater of Oklahoma sitzt leider gründlich frustriert in ihrer New Yorker Wohnung und hat einfach zu schlechte Laune für optimistische Antworten: «Fuck, theatre, man. Right now fuck theatre. And theatre is fucked.»
Die Londoner Theaterwissenschaftlerin Tania El Khoury hat die ersten drei Anfrage-Mails ignoriert, um schließlich doch ihre gesammelte Theaterwut auszukotzen: «I dislike its hierarchical relationships, its church-like preciousness, its inaccessability, its whiteness, its elitism, its racism, its classism, its sexism ...» Die Liste der Anklagen ist noch lang. Die Dramatikerin und ehemalige Theaterleiterin Nicoleta Esinencu aus Chisinau/Moldawien steht ihr in Theaterabscheu in nichts ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2021
Rubrik: Theaterbuch, Seite 42
von Franz Wille
Am Ende kehrte er zu seinen Wurzeln zurück. Das letzte Buch des Dichters Ludwig Fels ist ein Band mit Gedichten in fränkischer Mundart. Er, der seit fast vierzig Jahren in Wien lebte, besann sich auf einmal auf die Sprache, mit der er aufgewachsen war. In Treuchtlingen bei Ansbach, wo er 1946 in eine kleinbürgerliche Familie geboren worden war, sprach man eben so:...
Bekannt wurde Lars Norén im deutschsprachigen Raum mit wüst-verklemmten Zimmerschlacht-Dramen à la «Wer hat Angst vor Virginia Woolf». Sie hießen «Nachtwache», «Dämonen» oder nicht weniger düster «Nacht, Mutter des Tages» und wurden mit hochkarätiger Besetzung – zum Beispiel Gert Voss und Kirsten Dene – von Claus Peymann oder Alfred Kirchner noch im Bochumer...
Im Berliner Quintus Verlag erschien kürzlich der abschließende Band einer dreibändigen, von Deborah Vietor-Engländer herausgegebenen Sinsheimer-Werkausgabe, der in Ergänzung zur Autobiografie, einem Shylock-Buch und dem für den Jüdischen Kulturbund verfassten Theaterstück «Benjamin wohin?» ausgewählte Briefe und Theaterkritiken enthält.
Hermann Sinsheimer ist in...
