Die innere Mitte

Die Freie Szene sucht nach einer Heimat zwischen Hinterhof und Produktionshaus. In Hamburg könnte eine sogenannte «Mittelbühne» die Lösung sein

Theater heute - Logo

Die Bezeichnung «Mittelbühne» führt in die Irre. Eigentlich gemeint ist die Größe eines Theaterraums, der Begriff ist relevant für die Bühnentechnik, kulturpolitisch hat er keine Bedeutung. Aber seit der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse, Haushaltsspezialist und fleißiger Geldsammler, zwei Millionen Euro aus Bundesmitteln für das Hamburger Lichthof Theater freigeklopft hat, ist der Begriff in aller Munde.

«Für das Lichthof Theater soll eine sogenannte ‹Mittelbühne› für die Freie Szene verwirklicht werden, welche die gewaltige Lücke zwischen den Off-Bühnen wie Lichthof und Kampnagel schließt», schreibt Kruse stolz auf Facebook. «Sie würde den freien Künstlern den strukturellen Rahmen für eine organische Entwicklung aus der Lokalität in die Überregionalität und die Internationalität bieten.» 

Tatsächlich hat Kruse recht. Bühnen mittlerer Größe sind essentiell für freies Theater, das zeigt der Blick in andere Städte: In Berlin existieren kleine Off-Spielstätten wie der Theaterdiscounter und ein großes Produktionshaus wie das HAU-Konglomerat, dazwischen operieren beispielsweise die Sophiensæle. In Frankfurt gibt es kleine Häuser wie das Gallus Theater, den großen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2021
Rubrik: Theaterarchitektur, Seite 32
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
«Wir müssen das Tempo rausnehmen»

Wolfgang Kralicek Die Wiener Festwochen 2020 waren fertig programmiert, als der erste Lockdown kam und irgendwann klar war, dass das Festival nicht wie geplant im Mai und Juni stattfinden kann. Diesmal ist es anders: Sie planen die Festwochen 2021, ohne zu wissen, ob und wie sie überhaupt stattfinden werden. Was ist besser? 
Christophe Slagmuylder Wenn Sie so...

Wenn Orangen wie Seifenblasen zerplatzen

Manchmal muss ein Festival gar nicht an einen Gedenktag anknüpfen, damit sein Programm hochaktuell erscheint. So ist es jetzt beim Digitalfestival «Diaspora Europa» gewesen, das vom 27. bis zum 31. Januar auf der Homepage der Berliner Volksbühne zu sehen war. 

Das von Shelly Kupferberg und Tímea Junghaus kuratierte Festival gab einen aufschlussreichen Einblick in...

Undinge, Abgründe, Anläufe

Am Ende kehrte er zu seinen Wurzeln zurück. Das letzte Buch des Dichters Ludwig Fels ist ein Band mit Gedichten in fränkischer Mundart. Er, der seit fast vierzig Jahren in Wien lebte, besann sich auf einmal auf die Sprache, mit der er aufgewachsen war. In Treuchtlingen bei Ansbach, wo er 1946 in eine kleinbürgerliche Familie geboren worden war, sprach man eben so:...