Könixin der Sprakenheit
So gut hat Richard lang nicht ausgesehen. Keine «bucklicht Giftkröte», kein rachedurstiger Veteran von den Schlacht -feldern der Rosenkriege, sondern eine energische Lady in den besten Jahren rauscht gleich zu Anfang den weißen Bühnenrahmen entlang von rechts nach links. Yvon Jansen trägt und rafft ein vielfach gefälteltes Hosenanzugskleid mit Schleppe in stechendem Blau, ihr platinblond gebleichtes Haar ist herausgewachsen, die Augen großzügig mit Lidstrich und Eyeshadow betont: Typ Kristen Stewart, lässig und kühl, nur reifer und mit mehr Erfahrung.
Was wird erst passieren, wenn sie den Mund aufmacht?
Im Auftrag des Schauspiel Köln hat Katja Brunner Shakespeares populäres Schurken -königsdrama «Richard III.» umgeschrieben zu «Richard Drei», mit den bedrohlich klingenden Untertiteln: «1 sprachausfluß aus der TASTA-TUR DES TERRORS / Mitteilungen der Ministerin der Hölle». Regisseurin Pinar Karabulut, die schon an der Berliner Volksbühne Brunner-Texte inszenierte, hat überdies einen weiblichen Richard bestellt – «Richard, SirMadam Richardis, R3, Könixin» sind nur einige Namen der Autorin für die androgyne und doch letztlich weibliche Unholdin. Die Besetzung männlicher Figuren des ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: , Seite 16
von Eva Behrendt
Beim Heidelberger Stückemarkt kann es passieren, dass ein Autor zum ersten Mal sein Werk gesprochen hört. Philipp Gärtner ist es so ergangen, und als er nach der 40-minütigen Lesung aus seinem Drama «Olm» zum Nachgespräch auf die Bühne kam, sagte er: «Ich glaube, ich bin da hart an der Grenze der Verständlichkeit, vielleicht sollte ich noch mal ausmisten …?»...
1. AKT
1.1 – Dena
Reiche Dena, Auftritt mit Grandezza. Publikum.
Dena Hi. Good Evening. Welcome. Musik. Falsche Musik. Andere Musik! Wieder falsche Musik. I wanted drums! Drums. I’m Dena Grigorova. I’m a Journalist. I grew up in a verarmte, bulgarische, griechisch-orthodoxe preachers-family. You can write that down. And I always wanted more money. Money to me war...
Auf den immersiven Effekt des Mediums zielt das Puppentheater Zwickau in seiner digitalen Bearbeitung von Goethes Ballade «Der Erlkönig» eher nicht ab. Aber die Idee, ein Zielpublikum ab 13 Jahren möglichst distanzlos in die fiktionale Welt eines literarisch eindrucksvollen Gruselstücks eintauchen zu lassen, in dem ein Vater ebenso verzwei -felt wie vergeblich um...
