Köln
Im Prolog seines «Puntila und sein Knecht Matti» verspricht Brecht Spaß «zentnerweise» und warnt, hier werde mit dem Beil gearbeitet. Irgendwie muss seitdem eine Spaßmaßinflation stattgefunden haben. Brechts Zentner sind heute Gramm. Bei Herbert Fritsch gibts Späße tonnenweise, und gearbeitet wird mit dem Kalauer. Grotesk, ohne Fabel, ohne Figuren, mit der Artistik des Kabaretts – so beschreibt Brecht die literarische Revue seiner Zeit. Für seinen «Puntila» hat er davon einiges übernommen. Fritschs Inszenierung reduziert das Stück auf diese Elemente.
«Billige Delikatesse» nannte Brecht das.
Fritschs Schauspielerentfesselungstheater wird spannend, wenn es auch die geistigen Ketten löst, an denen ein Stück liegt. Wie einst bei Molières «Tartuffe» in Oberhausen: von der eloquenten Charakterkomödie zum wilden Affentanz. Bei Brechts «Puntila» bewirkt die Methode keine Befreiung des Stücks, sondern nur Potenzierung, Steigerung des Vorhandenen und Einebnung, Verflachung der Gegensätze. Fritsch will einen Energiestrahl ins Publikum schicken. Das ginge mit Wechselstrom besser als mit dem Gleichstrom der maximalen Drehzahl.
Charly Hübner ist ein Puntila, nicht zwei. Betrunken wie nüchtern ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Gerhard Preußer
Gelächter gleich in der ersten Minute. Eine Horde drolliger Insassen von irgendwas lümmelt auf Kinderstühlen, getriezt von einer ruppig-patenten Kommandeuse in Schuluniform und Pumuckl-Perücke – nicht gerade das, worauf man bei Sarah Kane gefasst ist. Und doch hat dieser mutwillig-regressive Schabernack, den Johan Simons da auf fast leerer Bühne der Münchner...
Ein gewisses Geisterbahnflair ist dem Abend nicht abzusprechen. Aber wenn Karin Henkel Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» inszeniert, klappern auf der Pfauenbühne des Schauspielhauses keine Knochen. Die Regisseurin hat sich mit Henrike Engel (Bühne und Kostüm) für eine geräuscharme Skelettvariante entschieden; Fritz Fenne, Kate Strong und die Musiker der...
3./Samstag
20.15 3sat: Kinder der Sonne von Maxim Gorki, mit Ulrich Matthes, Nina Hoss, Alexander Khuon, Katharina Schüttler, Sven Lehmann u.a., Regie Stephan Kimmig. Aufzeichnung aus dem Deutschen Theater Berlin 2010 (vgl. TH 12/10)
12./Montag
20.15 arte: Die Sonnensucher Spielfilm (1958) von Konrad Wolf,
mit Erwin Geschonneck u.a.
0.15 arte: Bambule Fernsehfilm...
