Köln: Restmenschen und Auslaufmodelle
Das Drama als Gesellschaftstanz: Grundschritt, Wiegeschritt, vor und zurück. Die bunt gekleidete Formation auf der kahlen Schauspiel-Bühne des Kölner Depots schlenkert die Glieder und wedelt hüftbetont, als würde sie unsichtbare Rumba-Rasseln schwingen. Die Muskelpakete der Männer sind unter den Shirts verrutscht wie zu Buckeln. Die Frauen sind vermummt in wattiertem Überzeug: Olga (Susanne Wolff) tonnengleich als Michelin-Frauchen und graziler Koloss, Mascha (Yvon Jansen) fußlang eingepackt, Irina (Katharina Schmalenberg) nur im Parka.
Raumbreit füllt sich ein Luftkissen auf, wie wenn ein Rieseninsekt sich entpuppt (Bühne: Bettina Pommer). Das Ensemble kugelt, hopst, lässt sich verschaukeln und hantiert mit einigem mehr an aufblasbarem Plastik-Spielzeug, während es draußen vom Sound-Desk her quiekt, rülpst und schauerlich röhrt.
Die blinkende Leuchtschrift (oft auch in Rückwärtsbewegung) «Time – No Time» zeigt an, dass für Olga, Mascha und Irina die Zeit abläuft und wie ein stilles Tosen aus ihrem Innern flutet. Am laufenden Band erscheinen Begriffe wie «LOVE», «LOOK», «FEEL», «FUCK», «KILL». Das Kürzelwesen in Großbuchstaben macht anschaulich, wie Tschechow mit Ausrufezeichen ...
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