Hamburg: Im Fortschritts-Express
In der Betonwand klafft ein riesiges Loch, durch das eine überdimensionale Lokomotive gebrochen ist. Jetzt steht sie da, dampfend – und wartet auf neue Ziele. Die Eisenbahn, sie wird in Suse Wächters Inszenierung des Hauptwerkes von Günther Anders zum Sinnbild für den technologischen Fortschritt. Und zum Startschuss einer Entwicklung, die den Menschen an ihrem Ende zu einem Auslaufmodell machen wird. Anders’ Text ist ein zweibändiges, starkes Stück Geistesgeschichte, eine wortreiche, pessimistische Analyse des Zustandes der Menschheit.
Die habe sich selbst in den Rang der Titanen erhoben, glaubte Anders schon 1961. Zu Geschöpfen, die sich mittels Atombombe per Knopfdruck selber auslöschen können – und auch sonst alles tut, um Grenzen zu überwinden, die sie nicht beherrschen können.
In Hamburg hat die Puppenspielerin und Regisseurin Suse Wächter mit dem Dramaturgen Christian Tschirner den komplexen philosophischen Text in eine beeindruckende Bilder- und Klang-Collage verwandelt. Der Zug rast auf der Probe mit Hochgeschwindigkeit durch das 20. Jahrhundert. Mit an Bord ist ein Kinderchor, der sich in eine Horde Indianer verwandeln kann – oder in eine Herde Schafe, die vergeblich ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Alexander Kohlmann
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