Köln: Anpassungsbemühungen
Weitschweifig holt Chronist Gerrit Jansen in spießiger Buchhalter-Kluft vor dem großen Bühnenkarton aus, um die Wurzeln von Parzivals Menschwerdung zu klären. Ausgiebig werden die rastlosen Abenteuer seines flatterhaften Vaters Gahmuret erzählt, den es stets von den Frauen weg- trieb, ehe noch die Kinder geboren wurden. Erst nach und nach illustrieren leicht bewegte Standbilder den spröden Vortrag: Hier ein zurückhaltender Auftritt von Herzeloyde im weißen Kleid, die ihren Kleinen von allem Rittertum fernhalten will und liebevoll bis übergriffig zum tumben Naturkind erzieht.
Da ein Parzival, der in Windelhöschen wie Mowgli im Dschungel geschmeidig die Szenerie umrundet. Marek Harloff fängt Naivität und Neugier riesenbabyhaft überzeugend ein.
Die Welt ist zunächst ganz seine Perspektive: Simeon Meiers giftgrün vernebelter Bühnenquader öffnet sich immer nur so weit, dass man Parzival auf allen Vieren und seine meist vor ihm kniende Mutter sehen kann, der Melanie Kretschmann schöne melancholische Schmerzmomente verleiht. Von den Rittern, die Parzival trotz Mutter-Gefängnis so elektrisieren, erblickt man zunächst nur Beine in feinem Anzugstoff. Als Parzival den roten Ritter tötet, ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44 95...
Ein riesiger Schacht hat sie geboren. Unter Trommelschlägen. Aus dem kleinen Lichtfenster am fernen Ende trollen sie heran, die Hexen, die Soldaten, ungeschieden, «foul is fair and fair is foul». Leiber über Leiber, Atem zwischen Atmen, Hecheln, Röcheln. Ein Körperknäuel rollt Tilmann Köhler an den Anfang seiner «Macbeth»-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin....
Der Professor aus Syrien will nicht in Deutschland begraben werden. Obwohl er seit 30 Jahren in Braunschweig lebt, haben ihm die Behörden nicht erlaubt, seinen Vater zu einem Besuch einzuladen. Jetzt steht der Mann mit dem altmodischen Sakko wütend auf einem Steg über der Raumbühne und protestiert «gegen diese Behandlung».
Der Professor ist kein echter...
