Kleingläubige, Scheinheilige
Glauben könnte so schön sein. Wenn sich dieser Gott nur mal blicken ließe. Oder zumindest ein paar Wunder vorbeischickte. Und wenn bloß diese Menschen nicht wären. Erika hat’s wirklich schwer. Die junge Frau will glauben – in einer gottlosen Welt, in einer Welt voller Zweifler. Vom Himmelszelt des Hamburger Thalia Theaters (siehe TH 3/05) ist die Pilgerin in eine schwarze Vorhölle geplumpst. In der Schlosserei des Kölner Schauspielhauses erwartet sie kein Wald, sondern eine karge Wartezone.
Statt Tannengrün zwei Doppelsitzreihen mit je acht grau-grünen Plastikstühlen links und rechts, dazwischen klafft ein riesiges Loch in der schwarzen Rückwand. Das einzige Licht in der Düsternis verströmen vier Straßenlaternen in kühlem Orange.
An dieser Haltestelle der Verlorenen führt Erika ihren Glaubenskampf. Den Bus zum polnischen Wallfahrtsort Tschenstochau hat sie zwar verpasst, aber ihre Mission kennt dennoch keinen Halt. Ihre Mitreisenden, eine Gruppe Lebensleidender, möchte sie zum Glaubens-Glück bekehren. Vergeblich, sie erntet Misstrauen und Gewalt. Aber sie ist ja auch seltsam, diese Heilige unserer Tage. Vielleicht eher eine durchgeknallte Drogensüchtige oder Opfer einer ...
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