Kleingläubige, Scheinheilige

Lukas Bärfuss «Der Bus»

Theater heute - Logo

Glauben könnte so schön sein. Wenn sich dieser Gott nur mal blicken ließe. Oder zumindest ein paar Wunder vorbeischickte. Und wenn bloß diese Menschen nicht wären. Erika hat’s wirklich schwer. Die junge Frau will glauben – in einer gottlosen Welt, in einer Welt voller Zweifler. Vom Himmelszelt des Hamburger Thalia Theaters (siehe TH 3/05) ist die Pilgerin in eine schwarze Vorhölle geplumpst. In der Schlosserei des Kölner Schauspielhauses erwartet sie kein Wald, sondern eine karge Wartezone.

Statt Tannengrün zwei Doppelsitzreihen mit je acht grau-grünen Plastikstühlen links und rechts, dazwischen klafft ein riesiges Loch in der schwarzen Rückwand. Das einzige Licht in der Düsternis verströmen vier Straßenlaternen in kühlem Orange.

 

An dieser Haltestelle der Verlorenen führt Erika ihren Glaubenskampf. Den Bus zum polnischen Wallfahrtsort Tschenstochau hat sie zwar verpasst, aber ihre Mission kennt dennoch keinen Halt. Ihre Mitreisenden, eine Gruppe Lebensleidender, möchte sie zum Glaubens-Glück bekehren. Vergeblich, sie erntet Misstrauen und Gewalt. Aber sie ist ja auch seltsam, diese Heilige unserer Tage. Vielleicht eher eine durchgeknallte Drogensüchtige oder Opfer einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2005
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Jenny Schmetz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weniger bringt mehr

Heute: Wirklichkeitsflimmern! Die Wirklichkeit ist von vornherein so beschaffen, dass man sofort mit ihr spielen möchte, auch als Kind. «Vater, Mutter und Kind» ist die Form für die unmittelbare Umsetzung häuslicher Frustrationen und Konflikte ins Spiel. Die Abbildung ist der erste Schritt zur Bewältigung. Dabei muss der Wirklichkeitsbezug unmittelbar und direkt...

Ideal und Sichel

 

Die Leningrad Cowboys sind die Band, die uns seit Jahren daran erinnert, dass es in Russland, wo die Leute immer etwas zu schwermütig sind und zu viel trinken, eigentlich ganz schrill ist. «Those Were The Days My Friend» rocken die Ironiebolzen eingangs aus den Lautsprechern, und dazu tanzen auf einer mit Champagnerflaschen dekorierten Tafel die drei Schwestern...

Die furchtlose Liebe zum Ländle

Stuttgart hat eine beneidenswerte Mitte, mit Neuem Schloss, Landtag, Oper, Schauspielhaus, Württembergischem Kunstverein und neuerdings dem Glaskubus des Kunstmuseums, alles im oder am Schlosspark, mit flachem See, viel Rasen, im Sommer dicht bevölkert. Während «Theater der Welt» ist auch der See bevölkert, bestückt mit einem Steg, auf dem Steg eine Bar,...