Die furchtlose Liebe zum Ländle
Stuttgart hat eine beneidenswerte Mitte, mit Neuem Schloss, Landtag, Oper, Schauspielhaus, Württembergischem Kunstverein und neuerdings dem Glaskubus des Kunstmuseums, alles im oder am Schlosspark, mit flachem See, viel Rasen, im Sommer dicht bevölkert. Während «Theater der Welt» ist auch der See bevölkert, bestückt mit einem Steg, auf dem Steg eine Bar, Sitzschalen, Tanzfläche und eine Bühnenskulptur, mit bunten Lichtern.
Kess wurde eine Hafenbar installiert im Treffpunkt Kunstverein, und auf dessen sonst so öder Rasenfläche zum See hin entbrennt allabendlich ein kommunikativer Kampf um die rot-weiß gestreiften Liegestühle.
Aus der Mitte Stuttgarts heraus wurde auch gedacht. Württemberg war früher Auswanderungsland, viele Schwaben emigierten in die USA – schon entdeckte Festivaldirektorin Marie Zimmermann den Stuttgarter Binnenhafen als Spielort und schickte den Fotografen A.T. Schaefer auf große Schiffsreise «Neckar aufwärts – New York voraus». Das geht tatsächlich, von hier per Schiff nach New York. Schaefers klare, schöne Nah- und Fernsichten sind optische Kennung des Festivals und verleihen ihm die weltläufig maritime Note.
Die schwäbische Regierungshauptstadt hat bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2005
Rubrik: Festivals Theater der Welt, Seite 11
von Ulrike Kahle
Wie ändert sich in sieben Jahren der Blick auf ein Erstlingsdrama, das seinerzeit als veritables Horrorstück in die Theatergeschichte einging? Eine ganz normale vierköpfige Familie: Die pubertierenden Kinder sind inzestuös ineinander verwoben, Kurt bastelt in der Garage Molotowcocktails und wirft sie in fremde Häuser, am Schluss erschlagen die Geschwister ihre...
Franz Wille Wie fühlt man sich, wenn man ein Stück über Arbeitslosigkeit geschrieben hat?
Moritz Rinke Wie ich mich «fühle»? Das klingt ja so, als arbeite jetzt Waldemar Hartmann von der Sportschau bei «Theater heute». Wenn Sie allerdings meinen, ob es nicht etwas sonderbar sei, ein Jahr an einem Stück zu arbeiten, das davon handelt, dass andere nicht arbeiten …
...
Wer über das Theater gründlich nachdenkt, kommt am großen Theater- und Fußball-Philosophen Thomas Brdaric, der als Stürmer in Diensten des VfL Wolfsburg steht, kaum vorbei. Erst kürzlich, zu Beginn der Winterpause, sagte er: «Man macht sich schon sehr, sehr viele Gedanken. Und gerade weil man sich so viele Gedanken macht, habe ich mir in den letzten Tagen einfach...
