Kleiner Tell, was nun?
Heldendämmerung auf der Bühne: Im Stammesland von Wilhelm Tell haben dazu wenige Hinterhältigeres zu sagen, Klügeres sowieso nicht als die Gruppe Mass & Fieber. Der Verein um Niklaus und Brigitte Helbling hat sich dem therapeutischen Theater nach Brecht verschrieben, und wenn die beiden nun eine Lektion Heldentod übersetzen, dann unter der Ankündigung «Mythentausch».
Mass & Fieber spielen Quartett sozusagen, sie tauschen im Namen von Tell und allen Guerilleros dieser Erde Freiheitsmythen aus, und zwar mit ihren Brüdern im Geist, Don Quixote aus Teheran.
Die junge Truppe unter Ali Ashgar Dashti stürzt sich auf den legendärsten Eidgenossen überhaupt, Tell, dessen Schuss aus dem Hinterhalt die Schweiz bekanntlich zu einig’ Brüdern verschweißt hat – dank eines deutschen Dichters notabene. Und die Helblinge wiederum penetrieren auf ihre frivole Weise Tells iranisches Pendant, den Schulbuch-Mythos um den Tyrannenkönig Zahhak und den Partisanen Kaveh aus dem «Buch der Könige», der die jahrhundertelange Unterdrückung der Perser durch die Araber beglaubigen soll.
Die wechselseitige Heldendemontage zählt zu den fruchtbarsten interkulturellen Begegnungen, die auf Schweizer Bühnen in den ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Altdorf Tellspiele, Seite 50
von Daniele Muscionico
Als Übersetzung der Stadt in die Vertikale hatte Charles-Édouard Jeanneret-Gris, genannt Le Corbusier, 1956 die Berliner Variante eines Hochhauses mit 530 Wohnparteien geplant. In der Cité Radieuse in Marseille war es dem Schweizer Architekten gelungen, dasselbe Modell mit einer Einkaufsgalerie, Schwimmbad und Open-Air-Kino auf dem Dach auszustatten und so mehrere...
Aachen, Grenzlandtheater
28. Ibsen-Bille, Ohne Gesicht
R. Jens Pesel
Aalen, Theater der Stadt
6. Süskind, Der Kontrabass
R. Jürgen Bosse
Altenburg/Gera, TPT
12. Horváth, Kasimir und Karoline
R. Bernhard Stengele (in Gera)
18. Reza, Kunst
R. Anne Keßler (in Altenburg)
27. Tabori, Mein Kampf
R. Deborah Epstein (in Gera)
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
14. Schiller, Die...
Wenn die Saison beginnt, darf Dr. Heinrich Faust nicht fehlen. Zum Beispiel in Frankfurt, wo Intendant Oliver Reese gerade ein Sparpaket akzeptiert und seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert hat. Sein Jahresgehalt steigt dabei von 200.000 auf wundersame 240.000 Euro. Mehr über die Erfindung der Geldwirtschaft im ersten Akt von «Faust II»
Alvis Hermanis macht kein...
