Kleiner Tell, was nun?
Heldendämmerung auf der Bühne: Im Stammesland von Wilhelm Tell haben dazu wenige Hinterhältigeres zu sagen, Klügeres sowieso nicht als die Gruppe Mass & Fieber. Der Verein um Niklaus und Brigitte Helbling hat sich dem therapeutischen Theater nach Brecht verschrieben, und wenn die beiden nun eine Lektion Heldentod übersetzen, dann unter der Ankündigung «Mythentausch».
Mass & Fieber spielen Quartett sozusagen, sie tauschen im Namen von Tell und allen Guerilleros dieser Erde Freiheitsmythen aus, und zwar mit ihren Brüdern im Geist, Don Quixote aus Teheran.
Die junge Truppe unter Ali Ashgar Dashti stürzt sich auf den legendärsten Eidgenossen überhaupt, Tell, dessen Schuss aus dem Hinterhalt die Schweiz bekanntlich zu einig’ Brüdern verschweißt hat – dank eines deutschen Dichters notabene. Und die Helblinge wiederum penetrieren auf ihre frivole Weise Tells iranisches Pendant, den Schulbuch-Mythos um den Tyrannenkönig Zahhak und den Partisanen Kaveh aus dem «Buch der Könige», der die jahrhundertelange Unterdrückung der Perser durch die Araber beglaubigen soll.
Die wechselseitige Heldendemontage zählt zu den fruchtbarsten interkulturellen Begegnungen, die auf Schweizer Bühnen in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Altdorf Tellspiele, Seite 50
von Daniele Muscionico
Im ersten Raum sitzt ein Mann am Tisch und dreht einen Lolli zwischen den Fingern. Dort hingesetzt hat ihn unter dem Titel «Swap» («Tausch») der tschechische Konzeptkünstler Roman Ondak: Wer den Lutscher haben will, kann einen Gegenstand zum Tausch anbieten. Wenige Minuten später sind ein Filzstift, eine Visitenkarte, eine Banane, ein Pfandchip, eine Blechdose mit...
TH Andres Veiel, Sie haben Susanne Lothar in Ihrem ersten Spielfilm «Wer wenn nicht wir» als Ilse Ensslin, die Mutter von Gudrun Ensslin, besetzt. War das Ihre erste Begegnung? Wie und warum kam es zu dieser Besetzung?
Andres Veiel Vorgeschlagen hatte sie meine Casterin Simone Bär. Suse Lothar selbst war erst mal zögerlich. Sie sagte, sie schätzt meine Arbeit – sie...
Als Übersetzung der Stadt in die Vertikale hatte Charles-Édouard Jeanneret-Gris, genannt Le Corbusier, 1956 die Berliner Variante eines Hochhauses mit 530 Wohnparteien geplant. In der Cité Radieuse in Marseille war es dem Schweizer Architekten gelungen, dasselbe Modell mit einer Einkaufsgalerie, Schwimmbad und Open-Air-Kino auf dem Dach auszustatten und so mehrere...
