Kleine Paralyse zum Glücklichsein
Carl Zuckmayers «Geheimreport» hat spät, aber nicht zu spät bewirkt, auch die Rolle der Schriftsteller, Maler, Musiker und Schauspieler im «Dritten Reich» kritischer zu würdigen und anders als bisher zu bewerten. Ob die Künstler freiwillig anpassungsbereit oder nur unter Druck zu Zugeständnissen bereit gewesen sind, ändert nichts an der Tatsache, dass sie sich auf ihre Weise wie Ärzte, Juristen, Diplomaten oder Sportler als Erfüllungsgehilfen des Regimes betätigt haben.
Das nach einer Sendereihe des Hessischen Rundfunks von Hans Sarkowicz zusammengestellte Buch «Hitlers Künstler» listet jetzt sachlich auf, wie auch prominente Persönlichkeiten, die nach 1945 schnell entnazifiziert wurden und sich gerne als Gegner der Nazis darzustellen wussten – wie etwa Wilhelm Furtwängler, Gustaf Gründgens, Gerhart Hauptmann, Heinz Rühmann, Franz Lehár oder Richard Strauss – vom Propagandaministerium instrumentalisiert wurden und dadurch eben mithalfen, dass sich das Nazi-Gesindel in bestem Lichte zeigen und bis zum Kriegsende an der Macht halten konnte. Außerdem räumt das Buch mit der Legende auf, die Künstler hätten vom Lagerschicksal ihrer verhafteten jüdischen Kollegen nicht gewusst; sie haben ...
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Man hat sich schon oft gefragt, wo die DDR geblieben ist. Einzelne Leichenteile konnten in bisher 50 Folgen der ZDF-Serie «Der letzte Zeuge» auf dem Seziertisch der Gerichtsmediziners Dr. Robert Kolmaar in Augenschein genommen werden, im Hauptabendprogramm. Es handelte sich dabei nicht um tragende Säulen des ideologischen Skeletts, sondern um Fetzen des emotionalen...
Ende Mai 1969 erhielt der Westdeutsche Rundfunk in Köln mehrere hundert empörte Anrufe und Briefe von Hörern, denen Stimmen aus dem Radio seltsame Dinge befohlen hatten. «Lecken Sie beim Hören die Schaltknöpfe ihres Radios!» hatte der Ansager sie aufgefordert, «Pressen Sie ihren nackten Bauch gegen Ihre Fernsehmattscheibe!», «Stechen Sie sich mit einer Nadel...
Früher war alles besser. Die Luft frischer, die Zigaretten billiger, und auch die Liebe war noch nicht eine Ansammlung gescheiterter Versuche, sondern die Liebe eben. Das gilt allerdings nur, solange dieses «früher» auch «früher» bleibt. Steht es jedoch eines Tages leibhaftig vor der Tür und tut so, als wäre es gerade mal eine halbe Stunde her, seit man sich zum...
