Klassiker unter sich
Wenn große Männer fallen, dampft das Theater. Dramatische Staatsaktionen, menschliche Abgründe, alpine Steig- und Fallhöhen, große Worte, letzte Blicke – tragische Schicksalsstürze sind die Hochgebirgspanoramen der dramatischen Zunft. Zwar schreiben die zeitgenössischen Autoren beharrlich keine neuen Königsdramen – wäre auch schwierig im postdemokratischen Politikbetrieb –, aber wofür gibt es Klassiker?
Zum Beispiel «Wallenstein», Schillers monumentaler Dreiteiler, der ungestrichen mindestens acht Stunden Lebens- und Bühnenzeit verzehrt.
Zuletzt hatte Peter Stein 2007 das Kommandounternehmen gewagt und zusammen mit Klaus-Maria Brandauer vorbildliches Theatermuseum präsentiert. Wackere Generäle schritten gemessen auf und ab, sprachen ernst und blickten nachdenklich, die Hand auf dem Degenknauf oder versbegleitend rudernd. Dazwischen Brandauer, vor Gemütlichkeit dampfend mit einem alles umarmenden Wärmestrahler-Lächeln, die Worte flossen breit und sämig: großes Untergangs-Spektakel mit Tusch.
Dabei wäre Wallenstein auch heute eine interessante Gestalt. Ein Aufsteiger, der sich mit brutalstem Kriegshandwerk und schweren Verbrechen gegen jede Menschlichkeit an die Macht ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
Sie kleiden Kaiser und Clowns, Huren und Hausfrauen, Professoren und Proleten, Kinder und Greise. Im besten, im perfekten Falle so, dass wir nichts zu sehen glauben. Es ist wie mit der Filmmusik: Sie fällt nur auf, wenn sie nicht gefällt. Einige dicke Bücher über die Schaubühne habe ich noch einmal studiert, um mir die Arbeit von Moidele Bickel, die am...
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