Gut und Böse
Wer Lina Beckmann als Richard III. beobachtet, kommt unweigerlich ins Grübeln. Da ist so rein gar kein Geheimnis einer Figur, aber es wird trotzdem nie langweilig, ihr zuzuschauen. Ihr Spiel ist auch an keiner Stelle nur ansatzweise subtil. Sie fletscht die Zähne zum verlogenen Schmeichel-Grinsen bei entsprechendem Bedarf; ihr quillt die hochprozentige Niedertracht aus den Stirnfalten, wenn sie mal wieder tödliches Gift verspritzt; sie strahlt vor Lust, wenn sie einen Bauch voll Gedärme aus einem armen Opfer reißt; sie schwitzt, rotzt und spotzt wie in einem Schwergewichts-Ringkampf.
Und sie humpelt theatralisch oder schlendert horrorclownesk in den nächsten Mord, bis die Selbstironie zur Charmefalle wird. Kurz: Sie verstellt sich so offensichtlich und erklärt auch noch im Detail, warum, als turnte sie im Freilicht-Sommertheater – wo die Premiere bei den Salzburger Festspielen in Hallein ja auch stattfand. Und dennoch: Was ist das für eine Gestalt, der die hochtourige Performance offenbar zur Persönlichkeit geworden ist?
Karin Henkels Salzburger/Hamburger Inszenierungsprojekt «Richard the Kid & the King» ist eine Textmischung vieler Köche aus Teilen von Shakespeares «Heinrich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 7
von Franz Wille
Da ist er also, der Theatermann, von dem wir in den letzten Monaten so viel gelesen haben. Ein Machthaber vor dem Herrn, der sich allerdings weder Mantel noch Schuhe selber ausziehen kann, der Frittatensuppe und Mineralwasser, aber auch einen ganzen Stab Gehorchender und Dienender braucht, um überhaupt zurechtzukommen in der Welt.
Ein Subjekt, das sich selbst...
Stimmen
A
B
C
B Also. Jetzt. Anfangen.
C Anfangen, oder?
A Puhhhh,
aiaiaiaiai,
B Okay...
Los, los jetzt.
A Warum muss das so schwer sein?
Warum muss das immer wieder so schwer sein?
Warum muss sich das immer wieder so schwer anfühlen?
C Ist doch einfach jetzt.
Ist doch jetzt der Raum da, hier wurde doch der Raum gegeben. Jetzt sind auch schon die Lichter an,...
Ist es Zufall oder hat es eine tiefere Bedeutung? Wenn in Avignon im Papstpalast Tschechow auf dem Programm steht, bekommt der Ehrenhof ein neues Outfit. Zu seiner 75. Ausgabe hat sich das Festival (und die Stadt Avignon und das Departement Vaucluse) eine neue Bühne und eine schicke neue Bestuhlung im Palais des Papes geleistet: 1947 ziemlich bequeme, relativ weit...
