Kino II: Der Zeitdieb
Vor eineinhalb Jahren deutete Daniel Lommatzsch in dieser Zeitschrift an, dass ihn das Theater künstlerisch gar nicht mehr so wahnsinnig interessieren würde, sein Thema sei aktuell primär das Kino (TH 01/15). Wobei dieses Interesse damals schon befriedigt wurde, der gefeierte Thalia-Schauspieler steckte zum Zeitpunkt des Gesprächs tief in der Arbeit an seinem Debüt als Filmregisseur: «Am Ende ist man tot» befand sich Anfang 2015 schon in der Postproduktion.
Vier Jahre hat Lommatzsch an dem 85-Minüter gearbeitet, vier Jahre, in denen er nicht nur sich, sondern den gesamten Betrieb des Hamburger Thalia an seine Grenzen führte. Nicht nur, dass ein Großteil des Ensembles unentgeltlich Rollen in der No-Budget-Produktion übernahm, auch Technik und Verwaltung wurden eingespannt, Proben- und Aufführungstermine um Drehtage herum geplant – Thalia-Intendant Joachim Lux bezeichnete Lommatzsch bei der öffentlichen Filmpreview als «Zeitdieb», und er schien das nur halb liebevoll zu meinen. Immerhin, es zeugt von ziemlicher Größe, dass die Theaterleitung den Film überhaupt ermöglichte, zumal etwaiger Ruhm von «Am Ende ist man tot» auf die Bühne kaum spürbar ausstrahlen dürfte: Bislang gibt es ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Falk Schreiber
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Sie kleiden Kaiser und Clowns, Huren und Hausfrauen, Professoren und Proleten, Kinder und Greise. Im besten, im perfekten Falle so, dass wir nichts zu sehen glauben. Es ist wie mit der Filmmusik: Sie fällt nur auf, wenn sie nicht gefällt. Einige dicke Bücher über die Schaubühne habe ich noch einmal studiert, um mir die Arbeit von Moidele Bickel, die am...
