Des Kaisers Kleider
Sie kleiden Kaiser und Clowns, Huren und Hausfrauen, Professoren und Proleten, Kinder und Greise. Im besten, im perfekten Falle so, dass wir nichts zu sehen glauben. Es ist wie mit der Filmmusik: Sie fällt nur auf, wenn sie nicht gefällt. Einige dicke Bücher über die Schaubühne habe ich noch einmal studiert, um mir die Arbeit von Moidele Bickel, die am Pfingstmontag in Berlin starb, in Text und Bild wieder zu vergegenwärtigen. In den Stablisten ist sie namentlich aufgeführt, wie es sich gehört.
In den Kritiken aber, die in diesen Rückblickbänden ausführlich zitiert werden, um die Arbeit aller Beteiligten zu würdigen, steht so gut wie nichts über sie, die doch mit prägend war für das, was in den siebziger und frühen achtziger Jahren an der Berliner Vorzeigebühne Maßstabsetzendes passierte. Die Fotos hingegen zeigen so viel Prächtiges, so viel Schönes, ja: visuell Kluges, genau Gedachtes und Gearbeitetes bei den Kostümen, dass es keine Entschuldigung gibt für das Schweigen der Schreiber – wie etwa jene gern genommene, dass Kostümbildner doch nur bessere Einkaufsbegleiter seien. Nein, an der Schaubühne wurde gerade auch im Bereich des Kostümbilds über mehr als ein Jahrzehnt hin so ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Nachruf, Seite 20
von Michael Merschmeier
Manche Hunde sind auch nur Menschen. Genauer gesagt: Sie sehen zwar aus wie Menschen, sind aber eigentlich Hunde. «Hundsch» heißt das merkwürdige Zwitterwesen, von dem man bisher nie etwas gehört hat. Und wenn die Menschen einmal einem von ihnen begegnen, dann halten sie ihn für schizophren und stecken ihn in die Psychiatrie. Einzig der Verein Canis Humanus hat das...
Verrucht und machthungrig wie Hamlets Rabeneltern sind Bettine und Gerd nicht. Im Gegenteil, die beiden meinen es zu gut mit ihrem Sohn. Interessanterweise hat das aber denselben Effekt wie anno 1602 bei Shakespeare. Der 19-jährige Marc ist auch so ein unselbständig entscheidungsarmer Prinz, letztlich nur mit sich selbst und dem Hass auf seine Eltern beschäftigt:...
Dies ist die Geschichte von einer Gesellschaft, die fällt. Und während sie fällt, sagt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: ‹Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher lief’s noch ganz gut.› Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung.» So lautet der Off-Text am Ende des französischen Kultfilms «Hass» («La Haine»)...
