Kindsköpfe an die Macht!

nach Tankred Dorst/Ursula Ehlert «Merlin oder Das wüste Land» am Akademietheater Wien

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Dem Teufel ist langweilig. Das liegt zwar in der Natur der Sache, aber dass er deshalb das Publikum gleich zu Beginn der Vorstellung noch vor dem roten Vorhang zum Mitmachen animiert, hat ungeahnt neue ADHS-Züge. Marie-Luise Stockinger gibt mit abnehmbaren Rinderhörnern Anweisungen zum Klatschen und zum Fingerschnalzen. Sie sagt: «Wie klingt Chaos?» Dann müssen wir alle Brüllen. Und, nicht unwichtiges Detail: Sie ist nicht der Teufel, sondern der Tüfel.

Mit größter Konsequenz wird den ganzen Abend über «literarisch Mittelhochdeutsch» gesprochen, eine Fantasiesprache, die jede:r anders für sich interpretiert. Bei Merlin (schräg und spielwütig wie immer: Sarah Viktoria Frick) klingt es tatsächlich ein wenig nach Schweizerdeutsch, bei Sir Mordred (Felix Rech) extrem gekünstelt, was durchaus zu seinem Charakter passt, der unbedingt gut sein will, aber einfach brutal böse ist, und bei König Arthus (Michael Maertens als sanft-naiver Regent) wie zarter Singsang, Parzival ist ein nerviges Riesenbaby (Bruno Cathomas), das noch am ehesten nach Hochkultur klingt.

Im Wiener Akademietheater werden die Ritterspiele ausgerufen, alles mit großem Augenzwinkern. Schon beim Eingang steht das ...

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Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Karin Cerny

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