Kinderschokolade
Mit «Kill Baby» und «Pirsch» widmete Ivana Sokola sich bislang eher kleinformatigen dramatischen Konflikten. Der Sprung hin zu ihrem neuesten Stück ist ein großer, schließlich soll es um die Europäische Union und ihre Abgeordneten gehen, die im Dienstwagen zwischen Brüssel und Strasbourg Steuergelder verbraten und zugleich dafür sorgen, dass auch der letzte bulgarische Stock-Trader die Cola nicht mehr mit einem Plastikhalm schlürft. Sokola hatte ein Stück über die Aporien des europäischen Umweltschutzes im Sinne.
Kann man EU-Parlamentarier so inszenieren, dass sie wie einschlägige Typen des Wildwest-Genres rüberkommen? Das war wohl die zentrale Frage zu Beginn des Probenprozesses, zu dem die Autorin eine erste Fassung vorlegte und in dessen Verlauf, so Sokola im Programmheft, sie den Text gemeinsam mit dem gesamten Team weiterentwickelte. «Eine große Freude» sei das gewesen, dieses «direkt für die Bühne und mit anderen Menschen zu denken».
Nun liegt ein Text vor, bei dem man meinen könnte, in einem Wildwest-Themenpark gelandet zu sein. Mit dabei einschlägige Typen wie eine Barkeeperin (Christian Simon), der Sheriff (Adele Emil Behrenbeck), eine Kopfgeldjägerin (Jorien Gradewitz), ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Jürgen Berger
Das Gespräch bezieht sich auf die Arbeit an dem Dossier zur Theaterarbeit in Ostdeutschland «Zukunft erproben» der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Therese Schmidt Sie leben und arbeiten in Görlitz, einer Grenzstadt im Osten Deutschlands. Nach dem Studium in Kassel sind Sie zurück nach Sachsen gegangen. War die Entscheidung, nach Görlitz zu ziehen, auch aus dem Gedanken...
Für Heiner Müller war der «Ui» noch ein abgründiges Stück: «Im ‹Arturo Ui› gibt es viel Mechani -sches, Pennälerhaftes, Travestie», schreibt Müller in seiner Autobiografie, «aber plötzlich kommen böse Stellen, zum Beispiel wenn Givola (Goebbels) zu Roma (Röhm) sagt: ‹Mein Bein ist kurz, wie? So ist’s dein Verstand / Jetzt geh mit guten Beinen an die Wand.› Das sind...
Jeden Abend werden die Freigelassenen in einer knallharten Inszenierung, die noch erbarmungsloser werden wird, plötzlich als Individuen sichtbar. Zwei Jeeps fahren – meistens mit Nerven zerreißender Verspätung – aus der Finsternis an karg beleuchtete öffentlich Pätze im Gaza-Streifen, wo ein wütender Mob sie erwartet. Auftritt der Chargen: die maskierten...
