Chicago first
Für Heiner Müller war der «Ui» noch ein abgründiges Stück: «Im ‹Arturo Ui› gibt es viel Mechani -sches, Pennälerhaftes, Travestie», schreibt Müller in seiner Autobiografie, «aber plötzlich kommen böse Stellen, zum Beispiel wenn Givola (Goebbels) zu Roma (Röhm) sagt: ‹Mein Bein ist kurz, wie? So ist’s dein Verstand / Jetzt geh mit guten Beinen an die Wand.› Das sind die großen Stellen bei ihm (Brecht), nicht die freundlichen.
» Müller selbst hatte es in seiner legen -dären Inszenierung von 1995 dann tatsächlich geschafft, dieses Unfreundliche zu bergen, mit Martin Wuttke in der Titelrolle, der sich langsam aus dem Entertainment herausarbeitete, bis er schneidend, als fleischgewordenes Hakenkreuz an der Rampe hockte und die Massen hypnotisierte. Wenn man allerdings dieses Maß an Schärfe nicht aufbringt, dann bleibt der «Ui» halt einfach ein bisschen pennälerhaft.
Nuran David Calis wählt für «Der aufhalt -same Aufstieg des Arturo Ui» in Leipzig ein amerikanisches Setting: ein eindrucksvoller, mit Holzvertäfelungen ausgeschlagener Plenarsaal samt Kanzel und Porträt von George Washington, oben prangt das Credo der Finanz «In God We Trust». In den Raum (von Irina Schicketanz) ragt ein ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Christian Rakow
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