Kettenreaktionen und Resonanz

Im Marstall des Münchner Residenztheaters machen Nele Stuhler und FX Mayr mit «Und oder oder oder oder und und beziehungsweise und oder beziehungsweise oder und beziehungsweise einfach und» ernst mit dem Spiel, in den Kammerspielen wirft Katharina Bach einen Blick von außen auf Michel Friedmans «Fremd»

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Manchmal wünscht man es sich heimlich – einfach mal Komplexität reduzieren, einfach mal einfach denken: ja / nein, schwarz / weiß, scharf / mild (doch da fängt es schon an mit der Unschärferelation des Wortsinns: scharf / stumpf, scharf / verschwommen sind natürlich auch denkbare Kontrastpaare, die allesamt im neuen Stück von Nele Stuhler vorkommen). Alles auf schlichte Dichotomien runterbrechen und die gefährlichen Grauzonen mal außer Acht lassen.

Was natürlich nicht geht, schon gar nicht im politischen Kontext und den verzweifelt verfahrenen Krisen-Schnittstellen der Welt – aber auf der Bühne kann man es ja mal ausprobieren, was daraus entsteht, wenn man noch einmal ganz locker von vorne anfängt und dabei die alten Götter Dada, Beckett und Ernst Jandl als Schutzpatrone anruft.

«Da» – «weg» sind die ersten Worte in Nele Stuhlers verbalem Assoziationsparcours mit dem präzise ausufernden Titel «Und oder oder oder oder und und beziehungsweise und oder beziehungsweise oder und beziehungsweise einfach und». Doch keine Sorge, so einfach bleibt es nicht. Schon bald wachsen aus scheinbar simplen Begriffspaaren Gedankenfraktale voll logischer Zacken und Sprünge in unerwartete Richtungen, ...

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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Silvia Stammen

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