Kettenreaktionen und Resonanz
Manchmal wünscht man es sich heimlich – einfach mal Komplexität reduzieren, einfach mal einfach denken: ja / nein, schwarz / weiß, scharf / mild (doch da fängt es schon an mit der Unschärferelation des Wortsinns: scharf / stumpf, scharf / verschwommen sind natürlich auch denkbare Kontrastpaare, die allesamt im neuen Stück von Nele Stuhler vorkommen). Alles auf schlichte Dichotomien runterbrechen und die gefährlichen Grauzonen mal außer Acht lassen.
Was natürlich nicht geht, schon gar nicht im politischen Kontext und den verzweifelt verfahrenen Krisen-Schnittstellen der Welt – aber auf der Bühne kann man es ja mal ausprobieren, was daraus entsteht, wenn man noch einmal ganz locker von vorne anfängt und dabei die alten Götter Dada, Beckett und Ernst Jandl als Schutzpatrone anruft.
«Da» – «weg» sind die ersten Worte in Nele Stuhlers verbalem Assoziationsparcours mit dem präzise ausufernden Titel «Und oder oder oder oder und und beziehungsweise und oder beziehungsweise oder und beziehungsweise einfach und». Doch keine Sorge, so einfach bleibt es nicht. Schon bald wachsen aus scheinbar simplen Begriffspaaren Gedankenfraktale voll logischer Zacken und Sprünge in unerwartete Richtungen, ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Silvia Stammen
Das Geheimnis guter Science Fiction liegt in der richtigen Mischung aus sozialer und szenischer Fantasie. Kein Plot überzeugt ohne entsprechendes Design. Dabei kann auch ein Gesicht wie eine Landschaft wirken und die Oberfläche eines fernen Planeten ein intensives Gefühl vermitteln. Normalerweise arbeiten bei der virtuellen Gestaltung filmischer Set Designs ganze...
Vielleicht ist es der gelegentliche Schneesturm, der über die Bühne zieht, verwaschen, grau und sichtbar nasskalt. Vielleicht ist es das Akkor -deon, das manchmal eine Tango-Melodie anstimmt. Vielleicht ist es das einsame Bild des in die Jahre gekommenen Wohnwagens, der am hinteren Rand der Bühne steht. Und aus dem, neben Klarinettenklängen, jenes Akkordeon ertönt...
Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’...
