Keine Zeit für Charme
Es regnet. Im ersten Moment, als der Vorhang über dem Haus von Orgons Familie aufgeht und ein Klavier samt Spieler neben einem von sturzbachartigen Wassermassen getrübten Panoramafenster freigibt, könnte man noch meinen, eine noble Hotellobby mit Wasserfall vor sich zu haben. Doch die wenigen Lampen flackern, und schon bald trippelt die erste Gestalt mit Regenschirm hinter der Scheibe vorbei. Nein, von großzügiger Gastlichkeit, Protz und Prunk kann hier keine Rede sein. Die Tapeten an den verschiebbaren Wänden wiederholen dasselbe nichtssagende Muster in gedrungenen Farben.
Ziemlich finster ist es hier, die Stimmung gedrückt. Und es regnet. Die ganze Zeit.
Wir sind bei Molière, dem Komödiendichter. Aber auch in einer Inszenierung von Barbara Frey. Dass es in diesem «Tartuffe» also nicht flott und heiter zugeht, sondern bedächtig und schwarz, war zu erwarten. Die ehemalige Intendantin des Schauspielhauses Zürich und der Ruhrtriennale war in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig am Wiener Burgtheater tätig. Atmosphärisch besonders perfekt passten ihre präzisen, aber sparsam ausgeleuchteten Kollaborationen mit Bühnenbildner Martin Zehetgruber und Lichtdesigner Reinhard Traub in die ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Martin Thomas Pesl
Wir» zu sagen, ist das, was mir gerade am Schwersten fällt. «Wir» als eine nicht weiter zu benennende Adresse dieses Textes, um zu wissen, an wen, an was, wohin ich mich wende, jetzt beim Sprechen. «Wir» als eine Art Anrufung, aber von wem oder was, «wir» als Hoffnung, an welches «wir» wende ich mich da überhaupt, falls «wir» überhaupt noch eine gültige Adresse...
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