Maria Milisavljević: Staubfrau

Ein Theatertext für eine oder mehrere weiblich sozialisierte Personen Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Zürich 2024 © S. Fischer Verlag 2024

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Wie soll ich dir das beschreiben? / Ich kann nicht tanzen. / Ich warte nur. / In einem Saal aus Stille. Hier treiben Geister / in ihrem Tanz gegen die Uhr. / Und ich warte nur.
Geister, Masha Qrella nach Thomas Brasch

«Warum hat sie denn nichts gesagt. […] Nee, das macht man nicht. Wenn man’s nicht körperlich sieht, traut man sich nicht. Weil man weiß, es glaubt einem eh keiner. […] Mir hätte keiner geglaubt.»
«Femizid. Henriette hat den Mordversuch ihres Partners überlebt», tabulos, Podcast 1

Anmerkungen zum Text
Absätze markieren nicht immer einen Sprecher*innenwechsel. Sämtlicher Text darf gesprochen werden.
Kursive Passagen markieren gewalttätige Äußerungen einer patriarchal geprägten, männlich sozialisierten Person/ Haltung.

Anmerkung zu(r Reproduktion von) Gewalt
Schläge, Tritte, Kriege sind nicht sichtbar, nur ihre Wirkung auf die Körper sehen wir.

DER FLUSS I / PROLOG

Wenn’s mir dunkel wird vor Augen, gehe ich zum Fluss.
Wenn es mich wieder mal zu wuchtig geworfen hat, schaue ich gern in den dahinziehenden Strom.
Ich mag es, wenn die Sonne ihre Strahlen in das Wasser wirft und nur ein Hauch von Licht zurückgeworfen wird.
Denn der Fluss zieht die Sonnenstrahlen mit sich fort.
Wer weiß schon, ob er sie an einem anderen Ort wieder ausspuckt.
Vielleicht behält er sie ganz heimlich für sich.
Und wickelt sie um all die Heimlichkeiten, die ihn umtreiben.


Und all das unter den Wellen Verborgene:

Das Fahrrad von Hanna, als sie zum Fluss radelte und es im hohen Bogen hineinwarf.

Niemand sagte, was tust du da.

Und die Hanna war das einzige Kind im Dorf, das ein Fahrrad –

Niemand sagte, was tust du da.
Das ist doch der Fluss.
Der muss rein sein von Fahrrädern.
Keiner sagte das.
Denn alle kennen den Fluss.
Sie wissen, wie er wirklich ist.

Und die Alten lächelten und sahen Hanna zu, wie sie das Rad hineinwarf.
Und sie nickten leicht mit dem Kopf.

Weil sie an den Tag dachten, als sie selbst die löchrigen Schuhe in den Fluss geworfen hatten.
Und die leeren Patronenhülsen.

Und das Gewehr, zu dem es keinen Waffenschein gab, als das ...

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Theater heute März 2025
Rubrik: Das Stück, Seite 100
von Maria Milisavljević

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