Die Freuden der Demokratisierung
Max Reinhardt zum 150. Geburtstag zu gratulieren, ist gleichermaßen einfach wie ungefährlich: Die Verdienste dieses großen Regisseurs und Theatermachers liegen auf der Hand. Wie kaum ein Zweiter hat er das deutschsprachige Sprechtheater durch seine Art, Regie zu führen, revolutioniert. Große Schauspielernamen wie Gertrud Eysoldt, Albert Bassermann, Tilla Durieux, Alexander Moissi und selber Werner Krauss sind mit ihm verbunden.
Kritiker wie Alfred Kerr oder Siegfried Jacobsohn haben für oder gegen ihn leidenschaftlich Partei ergriffen, und seine Inszenierungen von Shakespeare bis Hofmannsthal sind Legende.
Legende allerdings auch im bequemen Sinn, denn in einem Zweig der Kultur, der die schnelle Blüte mehr liebt als das melancholische Erinnern, ist der Name Reinhardt so bekannt wie seine Arbeiten unbekannt sind. Oder besser: nur noch als Schemen erinnerlich, wie der sich auf der Drehbühne bewegende Wald des «Sommernachtstraums» oder die immer noch jeden Sommer durch Salzburg klingenden «Jedermann!»-Rufe vor dem Vorstellungsbeginn auf dem Domplatz. So ist es fröhlich und gemütlich und nett, Max Reinhardts zu gedenken – vielleicht aber auch, weil es uns Allzu-Gegenwärtigen so wenig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 35
von Peter W. Marx
MÜNSTER, LWL MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR
bis 14.4.24, Nudes
In Kooperation mit der Tate London beleuchtet die Ausstellung den historischen künstlerischen Akt, intime und moderne Aktdarstellungen sowie surreale Körper und politisch aufgeladene und fragile Darstellungen nackter Körperlichkeit, Themen wie den männlichen Blick auf den nackten Frauenkörper und die Frage...
«Trau keinen Männern! Falsch sind sie alle!» Das musste Anna Bergmann nicht hineinschreiben in ihre Neuinszenierung von «Romeo und Julia». Denn es steht schon bei Shakespeare. Julias Amme sagt es, in ihrer Totenklage um Julias Vetter Tybalt. Aber es bleibt leider aktuell, wie etwa das Stück «Montag» zeigt. Dort verstecken sich Faith und Novella in einer...
Lulu ist nackt. Natürlich. Seit Peter Zadek die Schauspielerin Susanne Lothar die Naturgewalt in der Lulu-Gestalt hat suchen lassen, ist das immer eine Option. Auf eine solche Suche begibt sich auch Daniela Löffner in ihrer Version von «Lulu» am Staatsschauspiel Dresden. Denn diese Figur ist ja schwer zu greifen. Zwischen intrigantem Lolita-Vamp und naiver...
