Zertrümmert wie Geröll
(1) Schalte den Fernseher aus. Schließ alle Medien und alle sozialen Netzwerke, die darauf angelegt sind, deine Gefühle aus kapitalistischen Motiven aufzustacheln. Öffne keine Videos, die dir deine Freunde privat schicken. Wenn sie etwas geschickt haben, dass sie im Innersten erschüttert hat, sind sie von vornherein nicht deine Freunde gewesen.
Wenn du ein zu grausames Bild von vergewaltigten Frauen gesehen hast, von entführten alten Menschen oder von verbrannten Leichen, wirst du innerlich zusammenbrechen, aber du musst dich erinnern: Auch auf der anderen Seite der Grenze gibt es Mütter.
(2) Bleibe auf dem Laufenden. Ignoranz ist kein humanistisches Prinzip und es hat keinen Sinn, sich der Tatsache zu entziehen, dass inhuma -ne Dinge jeden Tag geschehen. Jeder angehende Humanist weiß, dass die Welt kein Süßigkeitengeschäft ist. Erweitere dein Wissen, lies, hör zu, aber nur Medien, die nicht visuell sind. Kriegspornos kitzeln die Rachegöttin unter den Achseln, an den Fußsohlen und in den Rundungen der Taille, und von dort ist der Weg, kein Humanist mehr zu sein, kurz.
(4) Sprich mit deiner Freundin, deren Sohn entführt wurde, deren Mutter bei lebendigem Leib verbrannt wurde, deren ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Maya Arad Yasur
Wenn Jonathan Peachum und seine Frau in Dresden gleich zu Beginn der «Dreigroschenoper» den armen Filch in die Mangel nehmen und grün bis blau prügeln, geht es nicht ums Bettlergewerbe. Filch hat sich nämlich nicht mit leidvoll ausgestreckter Hand in einen vom Londoner Bettlerkönig kontrollierten Bezirk geschlichen, um ein paar Pennys abzugreifen. Er hat sich...
In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...
Ich wünschte, Metin, man könnte Erinnerungen einfangen. Wie Insekten, die ein Eigenleben haben, einen eingebauten Instinkt, der sie leitet.» Arda, Protagonist von «Vatermal» und lebensbedrohlich erkrankter Literaturstudent, hat im Krankenhaus plötzlich Zeit und Druck, sich zu erinnern. Auch Mutter Ümran und Schwester Aylin, die sich am Krankenbett sorgfältig...
