Zertrümmert wie Geröll
(1) Schalte den Fernseher aus. Schließ alle Medien und alle sozialen Netzwerke, die darauf angelegt sind, deine Gefühle aus kapitalistischen Motiven aufzustacheln. Öffne keine Videos, die dir deine Freunde privat schicken. Wenn sie etwas geschickt haben, dass sie im Innersten erschüttert hat, sind sie von vornherein nicht deine Freunde gewesen.
Wenn du ein zu grausames Bild von vergewaltigten Frauen gesehen hast, von entführten alten Menschen oder von verbrannten Leichen, wirst du innerlich zusammenbrechen, aber du musst dich erinnern: Auch auf der anderen Seite der Grenze gibt es Mütter.
(2) Bleibe auf dem Laufenden. Ignoranz ist kein humanistisches Prinzip und es hat keinen Sinn, sich der Tatsache zu entziehen, dass inhuma -ne Dinge jeden Tag geschehen. Jeder angehende Humanist weiß, dass die Welt kein Süßigkeitengeschäft ist. Erweitere dein Wissen, lies, hör zu, aber nur Medien, die nicht visuell sind. Kriegspornos kitzeln die Rachegöttin unter den Achseln, an den Fußsohlen und in den Rundungen der Taille, und von dort ist der Weg, kein Humanist mehr zu sein, kurz.
(4) Sprich mit deiner Freundin, deren Sohn entführt wurde, deren Mutter bei lebendigem Leib verbrannt wurde, deren ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Maya Arad Yasur
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Zwei Kindheiten spiegeln sich ineinander – über Zeit und Entfernung hinweg –, treffen sich in Erlebnissen von teilweise heftiger Gewalt, werden jeweils zum Resonanzraum der anderen und dabei auch ein Stück weit transparent in ihrem historischen und sozialpsychologischen Kontext. Wenn das gelingt, kann dabei etwas aufgehen, ein lebendiger Widerstandsgeist, ein...
Ein lichtdurchflutetes Chalet in den französischen Alpen. Die erfolgreiche Autorin Sandra Voyter (Sandra Hüller) bricht das Interview mit einer Studentin ab, als ihr Mann Samuel im Stockwerk darüber ohrenbetäubende Musik in der Dauerschleife laufen lässt. Die Kamera zeigt abwechselnd Sandra auf der Couch, ein Glas Rotwein in der Hand, und ihr irritiertes Gegenüber....
