Kein richtiger Beruf
Im Laufe meiner etwa zwanzigjährigen Tätigkeit als Dramaturg an Theatern in Zürich, Basel, Bremen und Berlin gehörte zu meinen Aufgaben, Schülern das Berufsbild des Dramaturgen zu beschreiben. Doch sehr oft wurde mir sogar von Theaterkollegen entgegengehalten, dass ich gar keinen «richtigen» Beruf hätte. Meine Aufgabe als «Dramadurch» (ich komme aus Hessen) sei ja wohl nur, das Drama durchzulesen, und danach falle es dann meistens durch. Kein wirklicher Beruf also, und es gab zu meiner Zeit auch keine Ausbildung zum Dramaturgen.
Ich studierte Literatur- und Kunstgeschichte, ging viel ins Theater und ins Kino und begeisterte mich für Schauspieler wie Anna Magnani, Elisabeth Bergner, Erich von Strohheim, Gérard Philippe, Therese Giehse, Fritz Kortner, Curt Bois, Joachim Teege und Theo Lingen.
Theatergeschichte war interessant, aber Theaterwissenschaft lockte mich nicht, zumal deren maßgebliche Vertreter, Heinz Kindermann in Wien, Hans Knudsen in Berlin, alte Nazis waren. Meine Lehrstätten waren die von Karlheinz Braun geleitete Frankfurter Studentenbühne, die Aufführungen des Berliner Ensembles, des Piccolo Teatro in Mailand und des von Jean Vilar geleiteten TNP in Paris. Die ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Klaus Völker
Es gibt eine Szene in Johan Simons’ Inszenierung von Theodor Storms «Schimmelreiter» am Hamburger Thalia Theater, da steht Hauke Haien (Jens Harzer) mit seiner Frau Elke (Birte Schnöink) am Deich, der Sturm tost, ein Pferdekadaver liegt an der Rampe, die Wellen rollen gegen das Ufer, man ahnt das Unheil, das sich entspinnt. Haien greift wortlos nach der Hand seiner...
Psychopathologie, die den Körpern eingeschrieben wird. Gefühlte Schwäche produziert anmaßende, ihrer selbst nicht sichere Stärke. «nicht schlafen» wurde inspiriert von Philipp Bloms «Der taumelnde Kontinent» sowie der Musik Gustav Mahlers, des spätromantischen Krisen-Diagnostikers aus der Klimazone Sigmund Freuds. In der kulturgeschichtlichen Betrachtung der Belle...
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