Kein Inhalt ohne Struktur!

Vor der Utopie kommen die Arbeitsbedingungen – eine Absage von Karin Henkel

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Liebe Redaktion,

Ich finde es schwer, einen Beitrag zu schreiben, der meine Bedürfnisse als Regisseurin formulieren soll, ohne direkt auf die bestehenden Arbeitsbedingungen an den Theatern einzugehen. Denn diese zu verändern, zu verbessern, sind meine Bedürfnisse! Also würde ich zwangsläufig über «zu feste Strukturen», «zu kurze Produktionszeiten», «zu strenge Hierarchien», «zu hohen Leistungsdruck» und dergleichen schreiben.

Das ist in letzter Zeit schon hundertmal gesagt worden und nicht das, was Sie sich als Beitrag «Mein ideales Theater – eine Utopie» wünschen.

Aber es ist das, was mich in der Praxis umtreibt. Ich kann nicht in den luftleeren Raum denken.

Das ideale Theater ist das Theater, das einem künstlerische Freiheit schenkt. Die Kunst sollte sich nicht dem Apparat beugen müssen. Und schon wieder wäre ich beim Apparat.
Das Unberechenbare hat am Theater keinen Raum mehr. Und das liegt meiner Meinung nach an den Zwängen der Institution, an den Strukturen.

Es ist leider müßig; ich finde keine Worte, meine Visionen und Wünsche zu benennen, ohne auf den Probenalltag hinzuweisen, ohne mich zu beklagen. Und ich möchte mich ungern in der Öffentlichkeit beklagen.

Das klingt jetzt ...

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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 8
von Karin Henkel

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