Ein Raum des Widerstands
Theater gibt es gar nicht, das Wort ist ein leerer Raum. Das Theater ist ein Ort, an welchem Menschen sich einfinden, um einer ritualisierten Handlung beizuwohnen. Eine Communitas sollte entstehen zwischen Publikum und Spielern, eine Gemeinschaft, die es nur im Theater geben kann und leider kaum je gibt heute. Da ich also an einem Ort arbeite, den es nicht gibt und der zudem seinen eigentlichen, also gemeinschaftsbildenden Sinn verloren hat, habe ich ein Problem – als jemand, der seine Theaterarbeit im Rahmen dieses gemeinsamen, 3.000 Jahre alten existierenden Versuchs versteht.
Dieser Raum existiert, um sich als Mensch darin wiederzufinden und dieses eigenartig-amorphe Tier neu zu erfinden. Auch dafür, um dem Sonstso der so genannten Realität etwas Schönheit abzutrotzen, Klarheit, Konzentration zu finden für die Erforschung des Problems unserer Anwesenheit hier auf der Welt. Das könnte Theater sein. Aber leider …
Ist das Theater eine Art digitales Monstrum geworden, in dem das eigentlich gar nicht funktioniert. Insofern ist es wiederum Repräsentation der Welt, die es repräsentieren soll. Sagt wer? Wenn das Theater diese Welt repräsentieren soll, dann bin ich raus. Ich will ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 118
von Robert Borgmann
Liebe Freunde der zeitgenössischen Dramatik,
erlauben Sie mir, dass ich wie jeder hilflose Redner, der seine Zuhörer später mit ein paar ernsten Thesen langweilen muss, mit einem Witz beginne. Eine Mutter fragt ihren kleinen Sohn, was er sich zum Geburtstag wünscht. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Ich hätte gerne ein o.b.!» Die Mutter sieht den...
Tja.
Hier bin ich.
Ich hab’s geschafft: Ich habe überlebt. Ich spreche. Ich bewege mich. Es ist großartig.
Es ist großartig zu sprechen.
Ich bin nicht mitfühlend.
Bringen wir es hinter uns: Legen wir es vor uns auf den Tisch – wie die Autoschlüssel. Nicht mitfühlend.
Aber Moment: Welche Autoschlüssel?
Welcher Tisch? Gute Frage.
Ich möchte Ihnen danken.
Ich möchte Ihnen...
Ich glaube nicht mehr an das Theater. Jedenfalls nicht in der Form, bei der sich eitle Nostalgiker an ihre sinkenden Theatermuseums-Schiffe klammern und laut schreien, weil keiner die Reparatur bezahlt. Da sitzen sie, die alten Männer aus der alten Zeit, und pinseln noch mal neue Farbe auf die Bretter, die sie eigentlich hätten erneuern müssen. Sie haben ihre...
