Das große Burgwelttheater
Franz Wille (im Intendantinnen-Zimmer) Schönes Büro, man kann hier schon ein bisschen abheben.
Karin Bergmann Hier in dem Zimmer eher nicht. Das Burgtheater birgt zwar immer die Gefahr, dass es so etwas potenziert, aber das ist mehr ein Phänomen für die Feststiege. Hier im Büro holt einen dagegen ständig die Realität ein. Ich hebe nur ab, wenn ich unten auf der Bühne die richtige Vorstellung erlebe. Sonst muss man hier mit beiden Beinen ganz fest auf dem Boden bleiben, andernfalls wird es relativ schnell glatt.
FW Wenn man von Deutschland, wo seit 20 Jahren Spardebatten geführt werden, wo sich das Theater ständig legitimieren muss, nach Wien ans Burgtheater kommt – da fühlt man sich wie auf einer Insel der Seligen. Man kann hier sogar Riesendefizite bauen. Dann muss vielleicht irgendwann der Direktor und seine Stellvertreterin gehen, aber niemand stellt die Burg in Frage. Ganz ernsthaft: Was verbindet die Wiener und ganz Österreich so unverbrüchlich mit diesem Theater?
Bergmann Auf das Defizit kommen wir noch zu sprechen, aber es stimmt einfach: Der Wiener liebt sein Burgtheater. Beginnend 1776, als das Hofburgtheater von Joseph II. als Volkserziehungsinstrument den Bürgern geschenkt ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Theater des Jahres, Seite 69
von Franz Wille
Liebe Redaktion,
Ich finde es schwer, einen Beitrag zu schreiben, der meine Bedürfnisse als Regisseurin formulieren soll, ohne direkt auf die bestehenden Arbeitsbedingungen an den Theatern einzugehen. Denn diese zu verändern, zu verbessern, sind meine Bedürfnisse! Also würde ich zwangsläufig über «zu feste Strukturen», «zu kurze Produktionszeiten», «zu strenge...
TH Wir sitzen hier am Ende einer erfolgreichen Spielzeit, Ihrer ersten am Gorki Theater. Ihr Vorgänger Armin Petras hatte hier ein allseits geschätztes, sehr interessantes Theater gemacht, dass Sie sehr kurzfristig übernommen und gründlich umgekrempelt haben. Stadttheater sind ja eigentlich recht beharrliche Betriebe – wie geht das?
Shermin Langhoff Bei mir vor...
Anja Hilling ist eine Poetin. Und in Zeiten, in denen dramatische Literatur als unzeitgemäß gilt, sollte man das zunächst einmal unterstreichen. Hillings Dichtkunst bemerkt die Leserin oder der Leser schon, wenn sie oder er nur die Besetzungsanweisungen, Orts- oder Zeitangaben ihrer Stücke liest. Sachte, aber dennoch pointiert und stets entschieden lyrisch umreißt...
