Kategorie Mittelstand
Zum Schluss plant einer sein Verschwinden. Er wird keine Spuren hinterlassen, keine Geschichte schreiben, sich unsichtbar machen. Niemand wird ihn vermissen, niemand wird nach ihm fragen, da er längst ausgeschieden ist aus dem System, das die Gesellschaft zusammenhält, aus den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen, die sie definieren.
Natürlich kennen wir sie, die Theorien über Kapitalismus, Globalisierung und das geschundene Individuum.
Wir wissen, dass der Mensch mit seiner labilen Psyche den ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit hinterher hinkt und identifizieren Orientierungslosigkeit und Zusammenbruch mühelos als signifikante Zustände des modernen Individuums. Für das dritte Jahrtausend sind wir bestens gerüstet, wir Fachleute der Debatten um Beschleunigung, Regellosigkeit, Mobilität und Flexibilität.
Andreas Marber gelingt in seinem neuesten Stück das Kunststück, diese Themen zu vertiefen, indem er sie dem flachen Genre der Komödie zum Fraß vorwirft und eine grimmige Tragödie in den Menschen entzündet. In ihren Abgründen offenbaren sich Brutalität und Lächerlichkeit, Verlorenheit und Verletzlichkeit. Es bleibt ihnen nichts als Scheitern – an ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 166
von Sonja Anders
Das Stück, von dem hier die Rede sein soll, ist ein Auftragswerk, zu dem wir die Autorin Felicia Zeller eingeladen haben. Äußerer Anlass für uns war der «Fall Kevin», die Geschichte des kleinen Jungen aus Bremen-Gröpelingen, der an den Folgen schwerer Kindesmisshandlungen starb und im Oktober 2006 tot im Kühlschrank der elterlichen Wohnung gefunden wurde. Kevin ist...
Das Stück endet in der Katastrophe: Der Vater stirbt, die Ehefrau wird wegen Missbrauchs eines Minderjährigen verurteilt, weitere Beziehungen sind zerstört oder ihr Aufkommen wird im Keim erstickt. Oder es schließt mit Happy End: Denn der angeblich missbrauchte Junge und die Tochter beginnen eine Beziehung – die die Fehler der Eltern vielleicht vermeidet ....
Das Thalia ist ein sehr einfaches Theater. Es fällt schwer, es als außergewöhnlich zu beschreiben. Weil es das nicht ist. Es macht das, was ein Stadttheater machen sollte.
Es definiert sich über ein starkes Ensemble, welches es natürlich über Jahre entwickelt. Natürlich werden zentrale Rollen nie von außen besetzt. Natürlich werden junge Schauspieler über lange Zeit...
