Etwas fehlt
Das Stück endet in der Katastrophe: Der Vater stirbt, die Ehefrau wird wegen Missbrauchs eines Minderjährigen verurteilt, weitere Beziehungen sind zerstört oder ihr Aufkommen wird im Keim erstickt. Oder es schließt mit Happy End: Denn der angeblich missbrauchte Junge und die Tochter beginnen eine Beziehung – die die Fehler der Eltern vielleicht vermeidet .
Bemerkenswert an dem bösartigen und gleichzeitig faszinierenden Text des jungen österreichischen Schauspielers und Regisseurs Volker Schmidt ist, wie lakonisch er beginnt und wie dann Unglaubliches für den Leser immer glaubhafter wird, so dass man am Ende bereit ist, beides, Katastrophe wie Happy End, zu akzeptieren.
Fein werden die Abgründe der Figuren aufgedeckt, fein scheinen sie anfangs in harmlosen Dialogen hervor und nehmen erst langsam Gestalt an. Ausgangspunkt ist ein Ereignis in der Vergangenheit, das an «Wenn die Gondeln Trauer tragen» erinnert: Der gutbürgerlichen Familie ist der Sohn ertrunken – eine offen gelassene Gartentür, ein Moment der Unachtsamkeit, ein Unfall, ein Versehen sind die Ursache. Der Vorfall liegt acht Jahre zurück. Für das Kommende bildet er nur die Folie. Denn, wie gesagt: Eigentlich beginnt ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 173
von Peter Spuhler
Wie soll man erklären, warum das Hamburger Thalia Theater, nachdem es schon das Berliner Theatertreffen dominierte, schon wieder Theater des Jahres wurde? Am besten zerbricht man sich nicht weiter den Kopf, sondern fragt die Macher selbst: die Schauspieler Judith Hofmann und Helmut Mooshammer, die Chefdramaturgin Sonja Anders und Regisseur Andreas Kriegenburg. –...
Begeisterung ist ihm nicht gerade fremd. Ende Feburar in Zürich, zwei Wochen vor der «Hamlet»-Premiere, schwärmt Joachim Meyerhoff von der Künstlerwohnung im schicken Schiffbau. «Echt toll, dieser moderne Beton verschafft mir eine Erholung vom barocken Wien.» In Berlin, während des Theatertreffens im Mai, richtet sich die Begeisterung auf die Begeisterung des...
Dieser Herbst ist wieder mal ein deutscher Herbst. Aber diesmal zieht sich der Herbst schon durch das ganze Jahr. Alle möglichen Leute versuchen auf Teufel komm raus, die Geschichte der RAF für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Jetzt, da die letzten Häftlinge bald ihre Zellen verlassen werden, ist der Kampf um die Deutungshoheit entbrannt. In der Literatur, im...
