Katalysator eines Epochenwandels
Schon seit Jahrhunderten haftet Intendant*innen der Ruf an, dass sie bisweilen die unter ihrer Obhut Stehenden nicht ausschließlich mit wohlmeinender Fürsorglichkeit umsorgen. Während der Pest in Venedig zum Beispiel wurde die verordnete Ausgangssperre rigoroser gehandhabt als zu unseren Zeiten, ausnahmslos hatte man im Haus zu bleiben, die Türen wurden von außen abgesperrt und die Schlüssel sicher verwahrt: die ursprüngliche Aufgabe der Intendanten.
Obwohl Jahrhunderte zwischen den Pandemien liegen, ähneln sich die Schutzmaßnahmen beinah irritierend: Masken, Quarantäne und vor allem das Verbot von Berührung. In den 1970er Jahren beschrieb Michel Foucault, wie die Quarantäne-Maßnahmen gegen die Pest den Weg für eine tiefgreifende Zeitenwende ebneten, für eine Wende hin zu einer Gesellschaft, die von Institutionen der Disziplinierung wie Gefängnissen oder geschlossenen Kliniken geprägt wurde.
Falk Richter und Anouk van Dijk fragen in ihrem neuen Stück danach, welche Spuren eine neuerliche Phase der erzwungenen Berührungslosigkeit hinterlässt und wohin sich unsere Gesellschaft im Zeichen der Kontaktvermeidung und des Social Distancing entwickeln könnte. Werden wir zu einer ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Tobias Schuster
Die Reise – oder besser: der Ritt – beginnt an einer Straßenecke in Jaffa, Tel-Aviv. Das Jahr: 2014, die Zeit: vier Uhr morgens, die Heldin: Sivan Ben Yishai – Moment mal: Sivan? Die Autorin Sivan Ben Yishai? Die Hausautorin des Nationaltheaters Mannheim? Ja, genau die. Sie ist die Hauptfigur des neuen Stücks «Wounds Are Forever (Selbstporträt als...
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Christi...
Beschleunigung in allen Lebensbereichen war ein fundamentales Phänomen unserer Zeit. Denn höher, schneller, weiter ist das inhärente Credo des Kapitalismus. Entschleunigung zu denken oder zu entwerfen, galt bislang als kritische Position. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Zeit zum Nachdenken – auch über die Zukunft des Theaters. Zeit zum Nachdenken, wie...
