Kassel: Die Dirndl-Abstraktion
Gut so. Ewald Palmetshofers Stück, ausgezeichnet mit dem Mülheimer Dramatikerpreis vor bald schon wieder zwei Jahren, erleidet offenkundig nicht das Schicksal vieler und selbst starker neue Theatertexte: einmal aufgeführt zu werden und dann nie wieder. Schon Anfang des vorigen Jahres hatte das Mainzer Theater in einigen Aufführungen die Koproduktion mit dem Salzburger Mozarteum gezeigt, jetzt in Kassel ist «die unverheiratete» in den Spielplan gelangt, demnächt steht Basel an.
Und die junge Regisseurin Laura Linnenbaum erkundet auf der kleinen Kasseler Schauspielbühne im Fridericianum eindrucksvoll das Potenzial, das im Umgang mit Palmetshofers Text steckt.
Zur Erinnerung: Oma ist 96 und liegt stark hilfsbedürftig in der eigenen Wohnung; die Enkelin hat gerade einen One-Night-Stand absolviert und verfängliche Fotos vom Lover geschossen, als die immer gestresste Mutter sie zu Hilfe ruft – denn Oma geht’s echt schlecht. Von da an entwickelt sich ein vielsträngiges analytisches Drama um das verschwiegene Verbrechen und den Gefängnisaufenthalt der Großmutter, die kurz vor Kriegsende einen mutmaßlichen Deserteur denunziert hatte, der daraufhin exekutiert wurde.
Die Mutter kann derweil ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Michael Laages
Ein Rennbahnoval, umrandet von einer Bande mit Blinkerblümchen. An beiden Kopfenden Showportale, vor dem einen schweben Riesenballons mit Sternen und Streifen, das andere verblendet ein Riesenprospekt im Technicolorstil, darauf tanzen Zirkuslöwen mit Tangomädchen, manche zeigen auch nur die Pranken, oder sie reißen das Maul auf. Alles so quietschbunt hier. «A Great...
Also, ich weiß jetzt gar nichts mehr, am liebsten ließe ich nur Plüschtiere, also Schauspielerinnen und Schauspieler als Plüschtiere auftreten, aber nie werde ich das bekommen! Das wollte ich für mein letztes Stück haben, ich finde nicht, daß das zuviel verlangt ist. Ich will es, ich will es. Aber Sie wollen mit Sicherheit was andres, bloß werden Sie...
Was zeigt man, und was verbirgt man, was darf man sehen und was nicht? Fragen, die das Theater schon immer beschäftigt haben und die seit Kurzem durch die zweischneidigen Errungenschaften von Social Media und Big Data unweigerlich in unserem täglichen Leben angekommen sind, wo das Spektrum von Information und Neugier über Voyeurismus und Exhibitionismus...
