Kassel: Die Dirndl-Abstraktion
Gut so. Ewald Palmetshofers Stück, ausgezeichnet mit dem Mülheimer Dramatikerpreis vor bald schon wieder zwei Jahren, erleidet offenkundig nicht das Schicksal vieler und selbst starker neue Theatertexte: einmal aufgeführt zu werden und dann nie wieder. Schon Anfang des vorigen Jahres hatte das Mainzer Theater in einigen Aufführungen die Koproduktion mit dem Salzburger Mozarteum gezeigt, jetzt in Kassel ist «die unverheiratete» in den Spielplan gelangt, demnächt steht Basel an.
Und die junge Regisseurin Laura Linnenbaum erkundet auf der kleinen Kasseler Schauspielbühne im Fridericianum eindrucksvoll das Potenzial, das im Umgang mit Palmetshofers Text steckt.
Zur Erinnerung: Oma ist 96 und liegt stark hilfsbedürftig in der eigenen Wohnung; die Enkelin hat gerade einen One-Night-Stand absolviert und verfängliche Fotos vom Lover geschossen, als die immer gestresste Mutter sie zu Hilfe ruft – denn Oma geht’s echt schlecht. Von da an entwickelt sich ein vielsträngiges analytisches Drama um das verschwiegene Verbrechen und den Gefängnisaufenthalt der Großmutter, die kurz vor Kriegsende einen mutmaßlichen Deserteur denunziert hatte, der daraufhin exekutiert wurde.
Die Mutter kann derweil ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Michael Laages
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