Karneval der Krisengewinnler

Freiburg

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Das Verlässliche an der Habsucht ist, dass sie sich nicht therapieren lässt. Schon gar nicht von ein paar Bankenpleiten. Im Gegenteil. So ein globaler Finanzkrach wirkt erfrischender als Heilfasten: Das Portfolio wird entschlackt von allem, was da so vor sich hin fault.

Hinterher fühlt sich die Habsucht wie neu geboren, der Kurssturz von gestern ist der Renditehunger von heute, Banker scheffeln Boni wie zu sorglosesten Zeiten – und schon deshalb muss kein Theater befürchten, dass es an Systemrelevanz verliert, wenn es Elfriede Jelineks Kreditwirtschaftskomödie «Die Kontrakte des Kaufmanns» nachspielt. 
 

Jelineks Text fühlt sich an wie eine Reflex­ohrfeige auf Lehman, Meinl-Bank, Hypo Real Estate & Konsorten. Und ist im Jahre 2 nach der Krise keineswegs von der Wirklichkeit überholt. Das Theater Freiburg hat das Stück flugs in den Spielplan gehievt, ein Dreivierteljahr nach Nicolas Stemanns Uraufführungsprojekt, das auf Wien, Köln und Hamburg verteilt war. Regie führt Joachim Schloemer, der die fusionierte Tanzsparte pvc Freiburg-Heidelberg im Sommer verlassen und das Festspielhaus St. Pölten übernommen hat. Ganz im Gegensatz zu Stemann hat Schloemer den 99-Seiten-Textklotz um rund ...

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Theater heute April 2010
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter

Vergriffen
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