Frankfurt: Problemviertel-Blingbling
Die Kamera saugt sich am Gesicht der Mutter fest, der eine Träne über die Wange rinnt, und springt zurück zu den fiebrigen Augen der Moderatorin, die schon wieder ihren nächsten Gast angeht, um ihm ein Gefühl, ein Zitat, eine authentische, zutiefst menschliche Regung zu entringen. An tatsächlicher Auseinandersetzung hat diese Polit-Talkerin à la Anne Will null Interesse, sie ist auf der Jagd.
Populäre Romanstoffe reichen offenbar nicht mehr aus, jetzt ziehen Thrillerserien ins Theater ein, um es mit neuen Stoffen zu versorgen und ästhetisch wie thematisch fest in der Gegenwart zu verankern – und natürlich auch, um Publikum zu locken. Der niederländische Autor Eric de Vroedt hat eine Miniserie fürs Theater geschrieben; «The Nation» umfasst ganz klassisch sechs mal 45 Minuten. In diesen klappert der Autor nahezu alles ab, was Leitmedien derzeit an gesellschaftlichem Konfliktpotenzial zu entnehmen ist: Islamophobie, Abschottung der Wohlhabenden unter Überwachungs-Hochtechnologieblasen, überforderte Polizist*innen, eine ausgeprägte gesellschaftliche Ignoranz und eine Politik, die die Polarisierung mit vorantreibt. Für das Schauspiel Frankfurt hat David Bösch die deutsche Erstaufführung ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Esther Boldt
Neue Stücke
Ganz ohne Quote hat die Jury der Autorentheatertage dieses Jahr nur Werke von Autorinnen ausgewählt. In «ruhig Blut»
von der studierten Philosophin (und Yoga-Lehrerin) Eleonore Khuen-Belasi denken drei Frauen in der Tradition von Beckett und Schwab über Welt und Wandel nach, die Uraufführung inszeniert Clara Weyde in Koproduktion mit dem Schauspiel...
Er war über 30 Jahre die stärkste Stimme der Schweizer Theaterkritik. Er liebte Auftritte, auch die eigenen. Zuletzt am Telefon war seine Stimme so schwach, dass es weh tat. Am Ende soll er nichts mehr gegessen, nichts getrunken haben und auf nichts mehr reagiert, auch nicht auf Musik. Gelernter Gärtner, Theaterkritiker, Feuilletonchef der «Basler Zeitung» von 1982...
Vor zwei Jahren stand in Heidelberg ein 64-Jähriger vor Gericht, dem Amtsanmaßung, Titelmissbrauch und versuchte Nötigung in mehreren Fällen vorgeworfen wurde. Der Mann hatte sich als Bürgermeister ausgegeben und honorige Heidelberger erpresst: Er verlangte von ihnen Irrsinnssummen, wenn sie ihm nicht eine beglaubigte «Gründungsurkunde» der Bundesrepublik...
