«Jungsein»

Josef Bierbichler gibt dem «talentetreffen» des Berliner Theatertreffens einen Impuls

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Wann geht das los? Jung muss man erst werden. Es kann nicht sein, dass das mit der Geburt schon beginnt. Wenn die Hebamme der Mutter ihr Neugeborenes an die Brust legt und statt: Das ist aber ein schönes Baby! sagt: Das ist aber ein junges Baby!, dann vergreift sie sich in der Wortwahl. Auch was bald danach kommt, die Kindheit, kann nicht herhalten für das, was irgendwann irgendwie als Jung-gewesen-sein em­pfunden wird. «Als ich noch jung war» meint was anderes als: «Als ich noch ein Kind war».

Bei der Bezeichnung «Jungsein» dürfte es sich nicht um das Gefühl für einen gegenwärtigen Ich-Zustand handeln oder um eine Erkenntnis, gewonnen durch den Blick auf sich selbst (wenn etwa ein älterer Mensch sagt: Ich fühle mich noch jung), sondern eher um ein Attribut der Beobachtung anderer und eine sich daraus ergebende Einteilung oder Bewertung. Wenn also ein von den Jahren in den Griff genommener Mensch auf Jüngere schaut: neidvoll oder voll Hass oder froh, nicht mehr so sein zu müssen. – Schon der Blick der Eltern auf die heranwachsenden Kinder erfreut sich nicht am Jungsein der eigenen Brut, sondern an deren Werden – und das hat die Zukunft im Auge, das erhoffte Gelingen des kommenden ...

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Theater heute Juli 2006
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Josef Bierbichler

Vergriffen
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