«Jungsein»
Wann geht das los? Jung muss man erst werden. Es kann nicht sein, dass das mit der Geburt schon beginnt. Wenn die Hebamme der Mutter ihr Neugeborenes an die Brust legt und statt: Das ist aber ein schönes Baby! sagt: Das ist aber ein junges Baby!, dann vergreift sie sich in der Wortwahl. Auch was bald danach kommt, die Kindheit, kann nicht herhalten für das, was irgendwann irgendwie als Jung-gewesen-sein empfunden wird. «Als ich noch jung war» meint was anderes als: «Als ich noch ein Kind war».
Bei der Bezeichnung «Jungsein» dürfte es sich nicht um das Gefühl für einen gegenwärtigen Ich-Zustand handeln oder um eine Erkenntnis, gewonnen durch den Blick auf sich selbst (wenn etwa ein älterer Mensch sagt: Ich fühle mich noch jung), sondern eher um ein Attribut der Beobachtung anderer und eine sich daraus ergebende Einteilung oder Bewertung. Wenn also ein von den Jahren in den Griff genommener Mensch auf Jüngere schaut: neidvoll oder voll Hass oder froh, nicht mehr so sein zu müssen. – Schon der Blick der Eltern auf die heranwachsenden Kinder erfreut sich nicht am Jungsein der eigenen Brut, sondern an deren Werden – und das hat die Zukunft im Auge, das erhoffte Gelingen des kommenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der israelische Künstler Absalon war ein Architekt der Isolation. Seine penibel weißen «Zellen» besaßen Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Mini-Küche, Hock-Klo und Neon-Licht, und wenn es ein Fenster gab, dann nur als Schlitz. Ob die Abschottung in diesen bewohnbaren Monaden erzwungen oder freiwillig sein sollte, Mönchsklause oder Isolationshaft, ließ Absalon offen....
Das gibt es also: den geplanten Zufall. Nichts Beiläufigeres, Unangestrengteres, scheinbar Planloseres auf Erden und der Bühne als Ruedi Häusermanns stilles Geräuschetheater, Sinfonien aus Surren und Sirren, Gurren und Girren, Zirpen und Zupfen, als hätte sich ein freundlicher Tinnitus zum Weltgeräusch aufgeschwungen. Und doch liegt dem allen ein zweifellos...
Anfang Mai konnte man den Eindruck gewinnen, ein für alle Glaubensrichtungen zuständiger oberster Gott habe einen gewissen Hang zum Theater und für die Inszenierung eines seiner Dokudramen Israel als Bühne erwählt. Es ging natürlich nicht um Lessings Ringparabel, dafür aber im kleinen Städtchen Shafa-Amer um ein Pantomimefestival. Shafa-Amer liegt im Norden des...
