«Jungsein»
Wann geht das los? Jung muss man erst werden. Es kann nicht sein, dass das mit der Geburt schon beginnt. Wenn die Hebamme der Mutter ihr Neugeborenes an die Brust legt und statt: Das ist aber ein schönes Baby! sagt: Das ist aber ein junges Baby!, dann vergreift sie sich in der Wortwahl. Auch was bald danach kommt, die Kindheit, kann nicht herhalten für das, was irgendwann irgendwie als Jung-gewesen-sein empfunden wird. «Als ich noch jung war» meint was anderes als: «Als ich noch ein Kind war».
Bei der Bezeichnung «Jungsein» dürfte es sich nicht um das Gefühl für einen gegenwärtigen Ich-Zustand handeln oder um eine Erkenntnis, gewonnen durch den Blick auf sich selbst (wenn etwa ein älterer Mensch sagt: Ich fühle mich noch jung), sondern eher um ein Attribut der Beobachtung anderer und eine sich daraus ergebende Einteilung oder Bewertung. Wenn also ein von den Jahren in den Griff genommener Mensch auf Jüngere schaut: neidvoll oder voll Hass oder froh, nicht mehr so sein zu müssen. – Schon der Blick der Eltern auf die heranwachsenden Kinder erfreut sich nicht am Jungsein der eigenen Brut, sondern an deren Werden – und das hat die Zukunft im Auge, das erhoffte Gelingen des kommenden ...
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Sie möblieren sich ihre Verzweiflung mit einer gemütlichen, potthässlichen Eckcouch-Garnitur, tänzeln am Abgrund ihrer Existenz verzweifelt leichtfüßig wie Hochseil-Akrobaten, sie bewältigen ihre (im Knast) abgesessene Vergangenheit im Schluckspecht-Tempo und betrügen sich mit grellen Wunschvorstellungen um ihre Zukunft – sie sind überhaupt ein paar ganz tolle...
Das gibt es also: den geplanten Zufall. Nichts Beiläufigeres, Unangestrengteres, scheinbar Planloseres auf Erden und der Bühne als Ruedi Häusermanns stilles Geräuschetheater, Sinfonien aus Surren und Sirren, Gurren und Girren, Zirpen und Zupfen, als hätte sich ein freundlicher Tinnitus zum Weltgeräusch aufgeschwungen. Und doch liegt dem allen ein zweifellos...
Auf der Bühne herrscht beträchtlicher Verkehr. Mit Graffiti übersäte Kübelwagen rumpeln ihre Runden, spacke Superhelden in prallengen Kostümen schwirren durchs Terrain, viel Volk und Sänger purzeln die Treppen des Bühnenbildes rauf und runter. Unten am Bühnenrand parken trojanische Pferde, und die Nerven des Publikums werden von Maschinenpistolengarben zerrüttet,...
