Junge aus dem Revier
Irgendwann läuft er dann immer wieder ins Bild. Vor Jahren war der Mann sehr nachhaltig aufgefallen: als grandioser Bühnen-Klon des Komikers Helge Schneider in dessen Bochumer Schauspielhaus-Arbeit.
Neulich war der Mann zwar zunächst wieder Clown, als schriller Moskauer Fremdenführer und manches mehr in Burghart Klaußners Beatles-Revue «Marigold», dann aber gar kein Komiker mehr, sondern nur ein richtig schlimmer Finger – da gibt es doch diesen wirklich ausnehmend widerwärtigen neuen Lover von Tochter Nummer 3, der jüngsten und gedankenlosesten unter den Mädeln des mächtigen Mama-Monsters in Tracy Letts’ Erfolgsdrama «Eine Familie»; der findet den ganzen Familienkram eigentlich eher zum Kotzen und die geschäftlichen Handy-Anrufe zwischendurch auch allemal wichtiger als Big Mamas alkohol- und tablettendurchseuchtes Gesabber und Geseier, und wenn es Nacht wird und seine Muschi noch nicht mit ihm ins Bett gehen will, vielleicht, weil sie sich zum ersten Mal Gedanken macht über die an sich selbst und den vielen Lebenslügen kaputtgehende Mutter, lädt er ersatzweise die halbwüchsige Hippie-Tochter der Schwägerin zu einer Portion Gras ein und wäre (wenn sie mitmacht) sicher auch einer kleinen Fummelei unter Verwandten nicht abgeneigt … ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ganz schön abgezockt: Da gewinnt ein Jungautor gleich mit seinem Debüt den Werkauftrag des Theatertreffen-Stückemarktes – und dann lässt er in eben diesem Auftragsstück einen Jungautoren, dessen Biografie an seine eigene erinnert, ausgiebig über das kreativitätsfeindliche Stückauftragswesen jammern.
Zunächst scheint es um die Unsinnigkeiten eines Theatermarktes zu...
«Alles, was eine große Wirkung getan hat, kann eigentlich nicht mehr beurteilt werden.» Das hat Goethe zu Kanzler von Müller gesagt. Ein Beispiel dafür ist, was «der Schlegel-Tieck» genannt wird. Generationen haben den Doppelnamen aus dem väterlichen Bücherschrank buchstabiert. Aber der große deutsche Shakespeare-Übersetzer hieß August Wilhelm Schlegel.
Schlegel...
Normalerweise werden größere dramatische Figurenansammlungen entweder über diverse Handlungsstränge zusammengehalten oder in Durchgangsräumen organisiert. Gerne müssen Hotelhallen oder Bahnhöfe dafür dienen. Ulrike Syha hat sich jetzt etwas wirklich Neues ausgedacht: einen von Piraten entführten Öltanker, die Panama Star, irgendwo da draußen auf dem blauen Ozean....
