Jung gegen alt

Kai Hensel «Der Feind bist du»

Theater heute - Logo

Zu viele Alte, zu wenige Junge – Deutschlands demografisches Problem betrifft vor allem die Jugend, ihre Zukunft wird verspielt. Wenn schon der Verband junger Unternehmer die Aufkündigung des Generationenvertrags fordert, warum rebelliert die Jugend nicht? Warum nicht ein paar symbolische Robin-Hood-Aktionen: Altenheime ausrauben und von dem Erlös der Beute Kinderspielzeug kaufen? Wäre jedenfalls rationaler, als mit Bomben in Nahverkehrszügen den Islam zu verteidigen.

Kai Hensels neues Stück bringt ein altes Thema zu einem neuen Publikum, ins Jugendtheater.

Aber wie begeistert man 16-Jährige für die Probleme ihrer Rente? Kai Hensels Monolog «Klamms Krieg» ist seit drei Spielzeiten das am häufigsten inszenierte Stück auf deutschen Bühnen; vielleicht, weil es weder eine Inszenierung noch eine Bühne braucht: 1 M, 1 Dek. Ein selbstgerecht bornierter Deutschlehrer versucht, mit der Frage seiner Mitschuld an dem Selbstmord eines Schülers fertig zu werden. «Der Feind bist du» wagt sich dramaturgisch einen Schritt weiter vor (1 Lehrer, 1 Schüler, 1 Dekoration). Der Lehrer ist kein Ekel mehr, und der Schüler ist präsent. Und er will sich auch nicht umbringen, sondern mit seiner Freundin ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2007
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Gerhard Preusser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unrecht vergeht nicht

Ein dünnes Rinnsal zackt quer über die Bühne von Barbara Ehnes. Düsteres Licht, sanftes Geplätscher, das in einem kleinen Vorbühnen-Schneerest versickert. Athen kann sehr kalt sein, und selbst die größten griechischen Helden frieren erbärmlich, wenn man ihnen die Sonne abdreht: Stephan Bissmeier zittert beschaulich auf kargem Holzschemel wie der alte Bauer, dem die...

Katja denkt

In einer Hotelbar. Nach dem Besuch von «Faust 21», mit einem Jugendstilexperten aus München, ein zurückhaltender, vornehmer Engländer. Ich spielte im Bürgerchor mit. Wie war ich? Er sprach nur über Katja Bürkle. Sie hätte das Zeug zum Hollywoodstar. So gelenkig! So ausdrucksvoll! Wie sie sich in ihre Rollen hineinschmeißt! Katja Bürkle spielte einen Astrologen,...

Gegenkritik: Sebastian Hartmanns Wiener

Nach den Verrissen kommen die SMS, die Anteilnahmen auf der Mailbox. «Wie ist es denn gelaufen?», fragen die Diplomaten, «Was war denn los?» die, die es sportlich nehmen und eine Formkrise des Regisseurs vermuten. Am besten aber sind die Einfühlsamen, die sich selbst geschockt geben, weil sie die Verrisse für ein Abbild der Inszenierung und für bare Münze nehmen.

M...