Auf der Suche nach dem Gral

Die RuhrTriennale sucht im dritten Jahr von Jürgen Flimms Intendanz ihr Heil im Mittelalter – mit Inszenierungen und Texten von Johan Simons, Wilhelm Genazino, Tim Staffel und Juli Zeh

Theater heute - Logo

Das bessere Bayreuth liegt zwischen Bottrop und Gladbeck. In der Halle Zweckel, die nicht so aufgeputzt wurde wie das Festival-Mutterschiff der Jahrhunderthalle Bochum, entzaubert Johan Simons Tankred Dorsts Grals-Drama. Dieser «Merlin» putzt die Politur des Perfekten weg, agitiert gegen das Kunstschöne und -ferne. Die Nebel von Avalon lichten sich: Kein Palast der Illusionen, sondern ein Rohbau auf hohem Gerüst steht in der Maschinenhalle.



Der Mitbegründer des niederländischen «Wespetheater» und der «Hollandia»-Truppe, nunmehr fest behaust am NT Gent, kennt sich in ambulanten Spielsituationen aus. Schon bei dem Genter Gerard Mortier war Simons steter Regie-Gast der Triennale. Dessen Nachfolger Jürgen Flimm hat ihn zudem für 2008 an seine erste Wirkungsstätte Salzburg engagiert und außerdem zum heimlichen «Oberspielleiter» der Triennale erklärt. Noch weniger öffentlich werden sollte Simons’ Promotion zu deren Intendanten an Stelle der verstorbenen Marie Zimmermann: Doch das Angebot der Landesregierung NRW hat er nach einigem Überlegen abgelehnt.
   

Baustelle Mythos – Simons trifft Merlin

Was man noch mehr bedauern mag angesichts der aktuellen Festival-Premiere. Tankred Dorsts und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2007
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 31
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
Denn die Verhältnisse

Ihre Arbeiten ähneln sich nur in einem: hundertprozentige Wiedererkennbarkeit. Der 66-jährige Robert Wilson und der 42-jährige Michael Thal­heimer gelten als Methodenregisseure, die jeden Stoff in ihr Regierezept zwingen und Schauspieler als Exekutoren ihrer ästhetischen Konzepte agieren lassen: die Korsettmeister des deutschen Theaters. 

Der Wahrheitsgehalt dieses...

Liebet Euren N

Diese Text-Ansammlung, Untertitel «Acht Variationen über Lessings Nathan den Weisen», intelligent hin- und hergewendete Auslassungen, erscheint mir als Bekundung einer tief verunsicherten westlichen Liberalität. Lessings Nathan, N genannt, wird um seinen Beinamen «der Weise» verkürzt. Seine aus der Ringparabel (die nur in der Urfassung aus Boccaccios «Dekamerone»...

"Der Schurke ist am einfachsten zu spielen"

Franz WilleTim Staffel, spielen Sie selbst auch Computerspiele?

Tim StaffelNein, mein Problem ist einfach, dass ich dazu motorisch gar nicht in der Lage bin. Ich kann weder eine Tastatur noch eine Konsole so bedienen, dass ich damit irgendeinen Punkt machen könnte. Man muss sehr schnell sein und mit vielen Fingern arbeiten, das liegt nicht in meinen Genen, und ich...