Jubiläumstheater: Das war das Volk
«30 Jahre Mauerfall» oder «30 Jahre friedliche Revolution»? – Der November war ein Monat, in dem man Erinnerungspolitik wie unter einem Brennglas beobachten konnte. Die offiziellen Feierlichkeiten konzentrierten sich auf den 9.11., in vielen Theatern, vor allem im Osten, wurde auch an den 4.11. erinnert – den Jahrestag der größten Protestdemonstration in der DDR. Da war von Wiedervereinigung noch keine Rede. Die Menschen forderten Demokratie und Meinungsfreiheit und «einen Sozialismus, der des Namens wert ist» (Stefan Heym).
Die Schlusskundgebung fand auf dem Berliner Alexanderplatz statt, und genau dort gab es am historischen Datum (4.11.) das «Theater der Revolution» – eine Inszenierung der Gruppe Panzerkreuzer Rotkäppchen, die mit sechzig Akteurinnen die Demonstration nachstellen wollte. Es gehe nicht um ein Reenactment, sondern um das Aufmachen eines Gefühlsraums, hatte die Regisseurin Susann Neuenfeldt vorab in Interviews betont, um Angst, Spaß, Hoffnung und Glück, das komplizierte Gemisch der Emotionen, die das Geschehen vor 30 Jahren bestimmten – eigentlich eine spannende Idee: Das Theater als Gefühlsmaschine! Der historische Ort als Verstärker! Das Jubiläum als ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Oliver Kranz
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