Jon Fosses Erben

In Norwegen haben Dramatiker es schwer, wenn sie nicht Ibsen oder Fosse heißen. Das Åpne-Theater in Oslo versucht, das zu ändern

Theater heute - Logo

Norwegen ist das ideale Land zum Schreiben: Die Dunkelheit, die Einsamkeit und die überwältigende Natur schaffen für Dramatiker inspirierende Bedingungen – denkt man. Auf jeden Fall funktionierte es für Henrik Ibsen 1850 und das nächste Mal 1995 für Jon Fosse, ganz im Sinne des selbstironischen Mythos der Norweger, dass in ihrem Land nur für einen Dramatiker zur selben Zeit Platz sei. Jon Fosse wird in Norwegen jährlich an zwei bis drei der 17 Bühnen aufgeführt und ist Norwegens ganzer Stolz, vor allem aber ist er in Deutschland, Frankreich und 40 anderen Ländern omnipräsent.

 

Doch wer schreibt heute außer Fosse für das norwegische Theater? Darüber grübeln auch die Norweger und fragen: «Finns det mer enn Fosse?»

Unbemerkt vom nichtskandinavischen Ausland und den meisten Norwegern gibt es seit bereits knapp zwanzig Jahren ein paar Orte, an denen sich Fosse-Nachfolger ausprobieren. Seit 1985 findet jeden Sommer ein dreitägiges Dramatikfestival statt, bei dem Autoren ihr Erstlingswerk präsentieren können. Dass diese neuen Dramatiker auch außerhalb des kurzen Festivals eine Aufführungsmöglichkeit ihrer Stücke haben, dafür sorgt Det Åpne Teater (Das offene Theater) in Oslo. Im selben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Anneli Klostermeier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Leonhard Frank und Von drei Millionen drei

«Von drei Millionen drei» heißt der 1932 erschienene Roman von Leonhard Frank, den Fritz Katers «3 von 5 Millionen» fortschreibt. Er erzählt, wie drei Arbeitslose – ein Schreiber, ein Schneider und ein Fabrikarbeiter – ihre Heimatstadt verlassen, nach Hamburg wandern, auszuwandern beschließen, in Buenos Aires Arbeit finden, bis sie auch dort die...

Schwertträger und Handyhalter

Es ist schon ein Kreuz mit der Kunst und dem Kapitalismus. Eine echte Liebesbeziehung im Stil feudalistischen Mäzenatentums will sich da partout nicht einstellen, zumindest nicht, wenn keine krisenfesten Sammlerwerte in Aussicht stehen. Stattdessen gefährdet die schnöde Profitgier die letzten Refugien von Poesie, wo geschriebene Worte und komponierte Töne noch frei...

Zehn Jahre danach

Die multikulturelle Gesellschaft sei gescheitert, tönt es seit der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh durch einen islamistischen Extremisten mit triumphalem Unterton aus konservativen Politikerreden und Zeitungskommentaren. Gemeint ist mit «Multikulti», wie man das Phänomen in genüsslich spöttischer Abkürzung gerne zu nennen pflegt, eine...