Fünf Minuten Berühmtheit
Obwohl bereits 1990 von Jacques Lassalle in Paris uraufgeführt, legen die aktuellen Schlagzeilen – Hartz IV!, Reality-TV! – natürlich nahe, «Livesendung» jetzt als deutschsprachige Erstaufführung herauszubringen. Es geht schließlich um Langzeitarbeitslosigkeit und Medieneinfluss. Aber der französische Autor Michel Vinaver hat weder ein Thesenstück noch ein Sozialdrama verfasst. Nahe dran an einer bruchstückhaften Realität sind seine Theaterfiguren, die in Jürgen Bosses zügiger Regie, wie der Titel nahe legt, film- oder eher: TV-schnittartig bearbeitet erscheint.
Rückblenden heben die Chronologie auf. Motivationen bleiben im Halbdunkel. Das Wichtigste wird in Strömen von Text nicht gesagt – manchmal aber doch.
Vinavers Menschen aus Orléans haben keine rettende Jungfrau parat. Es gibt nur eine kleine Gerichtsschreiberin, die ihren Chef, den Herrn Untersuchungsrichter, anhimmelt. Ihre verquersten Träume samt selbstbewusster Deutung offenbart sie ihm, energisch im wippenden Minirock zur Tür stolzierend, um die geladenen Zeugen hereinzubitten; während des Verhörs sitzt sie rigide und aufmerksam mit strenger Miene an ihrem Schreibtisch und verstummt. Ein Pärchen in der Schwebe, eine ...
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Franz Wille Die Künstlersozialkasse (KSK) bedroht nach den neuesten Entscheidungen akut die Existenz eines großen Teils der Theaterverlage, die junge, lebende Autoren vertreten. Um das zu verstehen, muss man allerdings wissen, wovon Theaterverlage leben und wie die KSK funktioniert.
Marion Victor Wir verlegen als Theaterverlag Theaterstücke, also keine Prosa,...
Was für ein Held! Johann Nepomuk Mälzel hat das Metronom erfunden, er hat künstliche Welten in Dioramen geschaffen, Automaten und Spielfiguren gebaut; er träumte von einer besseren Welt, und die Mechanik schien ihm der Schlüssel dazu. Er war ein leidenschaftlicher Schausteller und damit auch ein Dramatiker. Seine Welten sollten funktionieren. Das Werkzeug war fein...
Mit dem Gerät zerkleinert der Jäger und Sammler zumeist Hühnchen. Der Kiefer ist schwach, das Handwerkzeug aber willig. Nun ist es allerdings nicht so, dass der Held in Fausto Paradivinos Erstling aus dem Jahr 1997 Kannibalisches im Sinn hat, wenn er gleich zu Beginn sagt, er werde die Leiche wohl mit einer Geflügelschere zerkleinern, dann eine Hälfte einfrieren...
